Dreipunktecharlie

Ein Hund mit PRA

Liebe

… ist nur ein Wort, aber sie trägt alles, was wir haben. (Oscar Wilde) Dieses Zitat finde ich wunderschön und es kommt mir immer wieder in den Kopf, wenn ich die Liebe für die beiden ganz bewusst spüre. Diese Zitat in Zusammenhang mit Hunden zu verwenden ist vielleicht nicht angemessen, aber für mich ist es passend.

Wie Ihr den letzten Beitrag entnehmen konntet, ist es nicht immer ganz einfach bei uns. Charlie braucht besondere Fürsorge und Lis wird jeden Tag älter. Sie wird störrisch, mürrisch, läuft nicht mehr gerne und eine pauschale Aggression gegen andere Hunde erwacht wieder. Lis kommt, wie Ihr wisst, aus Rumänien. Als sie hier ankam, war jeder Hund ein Fressfeind oder ein Eindringling in ihr Territorium. Jeder. Ich habe Monate und Jahre gebraucht, bis sie andere Hunde akzeptiert hat und irgendwann kein Pöbler mehr war. 

Dieses Verhalten erwacht gerade wieder, ich nehme an, sie will sich die anderen präventiv vom Leib halten. Sie kann nichts mehr hören, nicht mehr gut laufen und sich wahrscheinlich auch nicht mehr gut wehren. Also muss ich jetzt wieder daran arbeiten, dass sie mir die Entscheidung und Führung überlässt. 

Nicht so einfach, wenn Charlie dabei ist. Er liebt andere Hunde und möchte am liebsten zu jedem Kontakt. Freudiges Wedeln, manchmal junkert er sogar. Und daneben Lis, die knurrt wie Zerberus persönlich. Und Charlie damit verunsichert. Es geht so weit, dass er einfach abwechselnd freudig wedelt und komische Knurrlaute von sich gibt. Als wolle er Lis imitieren. 

Gestern erwischte ich mich dabei, dass ich eben dieses Schauspiel beobachtete und lachen musste. Wir hatten uns an den Wegesrand gestellt, um zwei fremde angeleinte Hunde passieren zu lassen. Charlie und Lis saßen. Charlie hielt die Nase in die Luft und fand es offensichtlich toll, die anderen Hunde zu erschnuppern. Lis saß daneben und knurrte. Die Hunde gingen an uns vorbei, ich gab meinen das OK zu Weiterlaufen. Lis machte sich umgehend groß und knurrte den anderen hinterher. Motto “Erfolgreich verjagt.“ Charlie sah Lis an, dreht sich ebenfalls herum, schickte einen sehr kehligen Laut hinter den beiden her, ging zu Lis, stupste ihre Schnauze an und forderte Bestätigung!

Unglaublich. Er hat keine eigene Aggression, die ihn zu diesem Verhalten motiviert, tut es aber offensichtlich, weil er sich mit ihr zusammengehörig fühlt und holt sich dann ein Lob ab! Ich habe so sehr lachen müssen. Die beiden sind ein Team! 

Klar, aus der Sicht des verantwortungsvollen Hundehalters muss ich dagegen wirken. Tue ich auch. Beim nächsten Mal. Versprochen.

Könnt ihr verstehen, dass ich in diesem Moment Liebe für die Beiden empfinde? Ich habe zwei fremde Hunde zusammengeführt, die anfangs nur die Gemeinsamkeit hatten, bei mir zu Leben. Und wenn ich dann sehe, dass sie ein Team gebildet haben, sich untereinander beeinflussen und bestärken, dann bekomme ich dieses schöne warme Gefühl, dass wir drei bei einander angekommen sind. 

Vielleicht ist es nicht clever, dafür ein negatives Beispiel zu nehmen. Aber das verdeutlicht es so. Charlie hat keinerlei Aggression anderen Hunden gegenüber, imitiert aber eine, um Lis zu gefallen. Er stellt sein Kontakt-Bedürfnis hinten an, um sich mit der alten Dame solidarisch zu zeigen. Wäre er ein Mensch und sich so verhalten, könnte man sagen, er handelt aus Liebe zu Lis. Keine romantische Liebe natürlich, sondern diese grundsätzliche Liebe, die man Freunden und Familie entgegen bringt. 

Meine Liebe zu den beiden entspricht auch dieser fürsorglichen, freundschaftlichen Art. Samstag war ich etwas aufgeregt und gestresst. Ich hatte ein Gespräch vor mir, dessen Ausgang ich nicht sicher war. Vorher ging ich mit den beiden eine große Runde durch den Wald. Das entspannt. Und wir haben getobt (Charlie und ich), haben eine Pause in der Sonne gemacht (Lis und ich) und es tat mir gut. Während des Spaziergangs habe ich auch Fotos gemacht, das eine berührt mich besonders. Ich hatte beide am Ende der Runde angeleint, Charlie saß vor mir und schaute nach oben. Ich lobte ihn, er drehte den Kopf total süß und ein Ohr klappte ab. Mein unfassbar toller, putziger, liebenswerter kleiner Mann! Ein Moment, in den ich wusste, egal was passiert, diese Zuneigung zu den Beiden kann mir niemand nehmen! Ich habe immer jemanden, der mich zum Lachen bringt, um den ich mich kümmern kann, der meine Füße wärmt, mit mir durch Regen und Sonne läuft, nach dem Schlammbad großzügig Matschespritzer mit mir teilt, sich an mich lehnt, wenn er unsicher ist, mich für einen Helden hält, weil ich mich bei Gewitter in den Garten stelle.

Und diese Liebe hat mich durch das Gespräch getragen. 

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5 Kommentare

  1. Das hast Du wunderschön geschrieben. Und gerade mit Enki kenne ich die Momente nur zu gut, an denen ich verantwortungsbewusst eingreifen müsste. Geht aber nicht. Denn ich bin angesichts des Fehlverhaltens stolz wie Bolle oder kringel mich vor lachen. Aber das macht nichts. Ich glaube, unsere “Brüder im Geiste” werden auch so ganz gut. ?
    Herzliche Grüße
    Stephie mit Enki und Luna

    • Enki wird mir immer sympathischer. 😉
      “Stolz wie Bolle“, obwohl Charlie gerade totalen Unfug macht – das kenne ich nur zu gut! Danke, dass Du so ehrlich bist, das einzugestehen. Dann fühle ich mich nicht so alleine damit. 🙂

      • Haha, da gibt es gar nichts einzugestehen. Ich habe bereits zu viele Zeugen, die ich nicht alle um die Ecke bringen kann. Und notfalls klimpere ich mit den Augen und sage: “Aber er kommt doch aus der Tötung.”

        • Boah! Ich ziehe den Hut vor Dir! Ich habe mich noch nie getraut, dass Totschlagargument “Tötung“ für meine Zwecke einzusetzen. Werde ich aber sofort probieren! 😉 Klimpern übe ich vorher noch..

  2. Ja, wirklich süß geschrieben *gerührt gugg*
    Immerhin halten die beiden zusammen und streiten nicht. Ist doch total positiv 😉

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