Dreipunktecharlie

Ein Hund mit PRA

100 Beiträge und eine Liebeserklärung

Ich klicke auf “veröffentlichen” im Beitrag “Wir durften ein Interview geben”. Dann erscheint die Meldung, dass WordPress mir zu 100 Beiträgen gratuliert. Wow. 100 x Gedanken zu Charlie, Lis und dem Leben mit Hunden. Beiträge, die laut Statistik aufgerufen wurden. Und somit wahrscheinlich auch gelesen wurden. Beiträge, die kommentiert wurden. Teilweise mit Kommentaren, die mir besser gefallen als der Beitrag. Leser, die Zuspruch, Anekdoten, Erfahrungen und ihre Gedanken mit mir teilen. Zeit mit meinen Beiträgen verbringen. Dafür danke ich Euch von Herzen!

100

Passender Weise waren wir letzte Woche bei einem befreundeten Fotografen. Nicht, weil ich unbedingt Fotos für den Blog, sondern weil ich einmal professionelle Fotos von uns Dreien haben wollte, unter anderem als kleines Geschenk für meine Mutter. Fotos, auf denen auch ich mal “schick” gemacht und nicht in Hunde-Klamotten bin. Fotos, auf denen Charlie nicht voller Matsche ist und Lis endlich mal in die Kamera blickt (oder zumindest annähernd).

Vorher habe ich mehrfach mit Stephan Schmitz telefoniert und diskutiert. Er wollte gerne Action-Fotos. Outdoor. Hmm. Im Winter. Ich sah mich innerlich in meinem dicken Wintermantel, frierend, unentspannt, unbeweglich und fand den Gedanken überhaupt nicht gut. Außerdem ist es bei Action-Fotos wieder so, dass Lis am Rand steht und Charlie ins Zentrum rückt. Nein, Action-Fotos gern ab 25 Grad! Also entschieden wir uns für Studio-Fotos.

Ich wollte Fotos, die “clean” sind, ohne Schnick-Schnack wie Deko oder Landschaftshintergrund. Jeweils mit Charlie und Lis getrennt von einander. Auf keinen Fall Fotos, auf denen wir uns anschauen oder interagieren. Sonder eher “gemeinsam in eine Richtung schauend”. Klar, wir sind ein Team. Unser gesamtes Leben besteht aus Interaktion. Aber wir sind auch eigenständige Persönlichkeiten. Das ist etwas, worauf ich besonders stolz bin. Dass Charlie und Lis einfach den Raum und das Selbstbewusstsein haben, auch mal “einfach Hund” zu sein. Lis stur, zickig, wenig sozial zugänglich, aber voller Selbstbewusstsein und Schutztrieb. Charlie charmant, unterhaltsam, zugänglich, liebebedürftig und unbedarft.

Die Fotos sollten irgendwie für das stehen, was ich in diesem Blog immer wieder versuche zu vermitteln: Zwei wunderbare Hunde, die unterschiedlicher nicht sein könnten, aber zu mir gehören. Mit allen Konsequenzen. Die ich genau so liebe, wie sie sind. Blind, alterstaub, knurrig, lebensfroh. Die aber auch mit mir zurecht kommen. Sich meinem Leben anpassen. Empathisch sind. Fürsorglich, wenn ich mal krank bin. Sich von mir anstecken und motivieren lassen, wenn ich Unfug im Kopf habe. Sich zurück nehmen, wenn ich gestresst bin. Miteinander, aber auch eben nebeneinander mit Raum für Eigenständigkeit.

Und auch wenn der Blog Dreipunktecharlie heißt und das Hauptthema Charlie und die PRA sein sollen, so geht es doch auch immer wieder um Lis und am Rande auch um mich. Dreipunktecharlie ist die digitale Heimat unseres Rudels.

Und deshalb zeige ich Euch hier meine Lieblingsfotos und versuche in Worte zu fassen, was mich daran bewegt. Beitrag Nummer 101 wird eine Liebeserklärung an den Blindfisch und die Taube Nuss:

lis_and_me

Lis. Meine geliebte Lis. Sie ist kein klassischer, liebenswerter Hund. Sie braucht lange, bis sie Vertrauen fasst, gibt ungerne die Kontrolle ab. Mag körperliche Nähe nur mit wenigen Personen und noch weniger Hunden. Die Tötungsstation in Rumänien hat Spuren hinterlassen, die niemals zu tilgen sind. Doch wenn sie jemanden in ihr Herz geschlossen hat, würde sie für ihn sterben. Sie scheut keinen Kampf um Charlie und mich zu verteidigen. Sie bewacht Haus und Büro wie Zerberus. Die ersten Wochen bei mir hat sie sich kaum anfassen lassen. Heute genießt sie das Kontaktliegen mit mir und Charlie, als wäre es nie anders gewesen. Sie sorgt für uns, Verletzungen werden sofort begutachtet und beleckt, sie nimmt sich für Charlie zurück und klaut nur noch selten sein Futter. (Anfangs nutzte sie jede kleine Unaufmerksamkeit von mir aus und erschlich sich eine zweite Portion.) Sie ist lernwillig, eifrig und lernt jeden Trick in Windeseile, so lange ich mit Käse “bezahle”. Sie bringt mir meine Handtasche, hebt Dinge auf, die mir gefallen sind und kann unfassbar sanft und anschmiegsam sein. Kinder und alte Menschen haben es ihr besonders angetan, die wecken ihre sanfte Seite. Kaum zu glauben, wenn sie 3 Sekunden vorher einen erwachsenen Mann mit Hilfe ihres charmanten “Lächelns” auf Distanz gehalten hat und dann bei einem Kind sanft wie ein Lamm ist und jede Berührung genießt.

Auch, wenn ich häufig Lis uncharmante Seiten beschreibe, so hat sie unfassbar viele Facetten, die auch Außenstehende mögen. Und die uncharmanten Seiten sind ja das, was ihren Charakter ausmacht. Was ich so sehr an ihr liebe. Sie ist nicht Mainstream, sie ist Lis oder “Achmed“!

Das tolle an diesem Foto ist in meinen Augen, dass man sieht, dass ihr der Fotograf nicht ganz geheuer war am Anfang. Eben ein fremder Mann. Ich hatte sie auf ein Podest gesetzt und mich neben sie gestellt. Sie neigte sich dann leicht in meine Richtung, brauchte körperliche Nähe und entspannte danach zusehends. Aber genau dieses Foto, auf dem sie so sanft und verletzlich wirkt, mag ich. Da zeigt sich ein Stück Lis, dass es sonst in der “Öffentlichkeit” nicht gibt. Da ist meine kleine Lis, die man nur in den Arm nehmen und festhalten will.

Und wer es nicht glaubt, dass sie danach entspannter war, hier der Beweis:

lis_alleine

Mit Charlie lief es ganz anders. Er fand Stephan super, das Podest hingegen anfangs weniger. Die Studio-Atmosphäre war neu und ungewohnt und so flitze er nur von einer Ecke in die nächste um alles zu erkunden. Nachdem ich ihn dann mit dem Studio vertraut gemacht habe, war er gut gelaunt und fröhlich wie immer. Auf das Podest? Kein Thema. Ich bewundere jedes Mal aufs Neue, wie sehr er mir vertraut. Ich setze ihn auf etwas ab, lasse ihn auf etwas hochklettern, das er nicht sehen kann, aber er macht es trotzdem. Wenn ich das von ihm möchte, wird es schon richtig sein.

Und wenn er sich dann entschieden hat, meine Verrücktheiten mitzumachen, lässt er sich komplett fallen. Dann ist das nur noch das freundliche Wesen, das Spaß an Allem hat und so viel Charme versprüht, dass er jeden im Raum ansteckt.

charlie_and_me

Der strahlenden Ausdruck, den er hat. Aufmerksam, offene Mimik nach dem Motto “Ich bleib hier sitzen und warte, was passiert.”. Mir gefällt, dass er auf dem Foto nicht so sehr bei mir ist. Für sich alleine steht. Ich freue mich immer, wenn er selbstbewusst genug ist, auf meine Führung und Begleitung zu verzichten. Das ist, was ich mir für ihn wünsche: Dass die PRA ihn nicht einschränkt, dass er auch alleine zurecht kommt und ein glücklicher Hund ist. Wenn ich mir so ein Foto anschaue, fühlt es sich an, als hätten wir das erreicht. Er ist bei mir, aber nicht auf mich angewiesen. Er ist selbstbewusst. Ihm geht es gut.

Ich habe selten darüber nachgedacht, welchen Einfluss seine Erblindung auf mein Leben hat. Meine Sorge war immer, dass Charlie darunter leidet. Aber eines hat er mich gelehrt und das spüre ich deutlich, wenn ich unsere Beiträge heute nochmal lese: Er ist lebensfroh und es geht ihm gut. Ihm macht es nichts aus, wenn er mal vor etwas davor läuft. Das passiert eben. Für ihn ist es wichtig, dabei zu sein. In seinem Rudel. Dann strahlt er vor Freude, rennt sich die Seele aus dem Leib, genießt das Leben und macht ihm wahrsten Sinne des Wortes Luftsprünge.

Charlie hat mich gelehrt, dass man manche Sachen einfach akzeptieren muss. Das Beste aus ihnen machen kann und sich dabei großartig fühlt. Die äußeren Umstände sind nicht wichtig, wichtig ist, dass wir zusammen sind. Wie kann man anders, als diesen Strahlemann lieb zu haben?

Wir freuen uns über sicheres Teilen mit shariff:
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12 Kommentare

  1. Bib begeistert! Das sind richtige “Booooaaaahh!”-Fotos.Großartig.(Ich lebe mit einem Fotografen, ich sehe sowas ; – ))

  2. 100 Beiträge Hut ab & Gratulation. Das wird bei mir wohl mindestens ein Jahr dauern.
    Respektvolle Grüße aus dem Garten. 🙂

  3. Aaah, schöne Fotos. Und so artig waren sie!
    Ich find übrigens deine Locken voll hübsch. Das will ich mal loswerden 😀

  4. Danke Euch Dreien! Vielen Dank für 100 herzliche, melancholische, lustige, nachdenkliche, [tbc] und immer bewegende Beiträge. Schön, dass es Euch gibt.
    Die Fotos sind wunderschön geworden und deine liebevollen Beschreibungen spiegeln sich in Euren Gesichtern.

  5. Ja, die Bilder sind wirklich wunderschön geworden. Sie wecken den Wunsch, mich auch einmal mit Socke so ablichten zu lassen. Wirklich wunderbare Bilder, eine herrliche Erinnerung,die ich aber wohl eher für mich behalten würde. Ich habe mit Socke erst zwei Shootings gemacht und beide Male fand ich das Ergebnis nicht so schön. Ich sehe Socke anders und fand, dass man Socke nicht so abgelichtet hat, wie sie ist. Das ist jetzt blöde formuliert, aber so ist es. Als mich mal eine Freundin ablichtet, waren die Ergebnisse besser. Ob ich mich wohler gefühlt habe oder es gut ist, wenn der Fotograf empathischer ist?

    Wer weiß das schon … Ich finde Deine Bilder sehr schön und Deinen Text sehr gelungen…

    Viele liebe Grüße
    Sabine mit Socke, die sich auch über ihre ersten 100 Beiträge gefreut hat

    • Liebe Sabine,
      Danke für Deine lieben Worte. Ich glaube, dass Vertrauen zum Fotografen ist wichtig. Von Hund und Halter aus gesehen. Dann klappt es auch mit den Fotos, die den wahren Charakter zeigen.
      Liebe Grüße
      Sandra mit Charlie und Lis

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