Verpasste Gelegenheiten

Ich bin schuld. Ich weiche bei uns auf der Hundewiese anderen Hundehaltern aus. Meide Hundegruppen, gehe einen Bogen und habe einfach wenig Lust auf die typischen Hundewiesen-Kontakte. Ich begründe dieses Verhalten gerne mit Lis sozialer Inkompetenz, aber es liegt wohl auch ein klein wenig an mir. Ich verspüre einfach wenig Lust, am Wiesenrand zu stehen und zu tratschen, währen die Hunde “das unter sich regeln.” 

Und so trug es sich zu, dass ich von The Pell-Mell Pack, die immerhin aus dem hohen Norden kommen, darauf hingewiesen wurde, dass Buddy Schreibt bei uns um die Ecke wohnen. Also so richtig um die Ecke. Fußläufig. Ich erstarrte leicht ungläubig. Dachte ich bisher, jeden Hund aus der Nachbarschaft zu kennen, da ich wirklich hinschaue, wem ich ausweiche. Aber ich war mir sicher, Buddy, Amber und Kerstin noch nie gesehen zu haben. Kerstin schrieb mich kurze Zeit später an und wenige Wochen später hatten wir dann auch endlich einen Termin gefunden, zu dem wir beide Zeit für ein Treffen hatten: Der gestrige Sonntag.

Eine Runde im Wald 

Bei strahlendem Sonnenschein trafen wir uns mit Buddy und Charlie, unsere Zicken hatten wir beide zu Hause gelassen. Lis ist einfach nicht die richtige Begleitung für ein erstes Date. Schon am Auto begrüßten Buddy und Charlie sich freudig, auch Kerstin war mir sofort sympathisch und es war klar: Das wird eine feine Runde!

Und noch besser: Kerstin führt Buddy ähnlich, wie ich Charlie führe: Heranrufen bei Fahrradfahrern, Joggern, Stockenten und anderen Hunden, sitzen lassen, wieder freigeben. In einem unausgesprochenen Gleichklang führten wir bei jeder Begegnung dieses Ritual durch. Ansonsten tobten die beiden Racker gemeinsam durch den Wald und verbrüderten sich schon nach kurzer Zeit bei einem gemeinsamen Schlammbad.

Total entspannt drehten wir so eine große Runde, die uns an einem See vorbei führte, in dem Beide ausgiebig schwammen. Okay, Buddy schwamm, Charlie plantschte und schwamm nur ein wenig. Er mag es nicht so recht, alleine den Boden unter den Füßen zu verlieren. 

Gemeinsamkeiten

Kerstin und ich nutzten die Ruhe am See, um uns zu unterhalten und stellten fest, dass wir einige Gemeinsamkeiten haben: Wir gehen eigentlich nicht gerne bei uns an der Hundewiese spazieren. Weichen anderen Hundehaltern aus. Haben wahrscheinlich deshalb beide kein hohes Ansehen bei den anderen Hundehaltern. Finden das aber nicht tragisch. Haben beide Hündinnen, die nicht immer sozial kompatibel sind. Unsere Rüden hingegen sind sozial recht kompetent. Wir können beide eher schlecht Stöckchen oder Bälle werfen, wobei Kerstin im Vergleich zu mir olympische Qualitäten an den Tag legte. Buddy musste wirklich teilweise weit schwimmen, was er sichtlich genoß.

So waren wir über zwei Stunden im Wald unterwegs und haben danach noch entspannt einen Kaffee und ein Kaltgetränk zu uns genommen. Dabei durften Kerstin und Buddy dann auch Lis kennen lernen, die wenig erfreut über den Besuch war. Doch Buddy ignorierte ihr Gezicke sehr cool und nach ein paar Minuten gab  Lis es auf, den Besuch vom Hof jagen zu wollen.

Ich bin mir sicher, wären wir uns auf der Wiese begegnet, hätten die Hunde und wir uns ebenso gut verstanden. Verpasste Gelegenheiten eben, denn mit meinem Umzug Anfang August werden wir nicht mehr fußläufig zueinander wohnen. Und trotzdem bin ich mir sicher, dass wir zukünftig noch ein paar gemeinsame Runden drehen werden, denn es war wirklich sehr angenehm und entspannt!

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20 Kommentare

  1. Und beide schick im Anny-X-Geschirr unterwegs, wenn ich richtig sehe 🙂

    Das war genau richtig mit dem Kennenlernen. Schön, dass die Chemie gleich so gestimmt hat und ihr die Hunde auch ähnlich führt 🙂 Wir machen es genauso. Den meisten Hunden/ Hundewiesen gehen wir aus dem Weg. Außer denen wo die Chemie stimmt. Einfach keine Lust mehr auf unschöne Begegnungen die uns im Training wieder zurück werfen.

    Liebe Grüße

  2. Tja, wie heißt es so schön? “Der Fremde ist ein Freund, den du noch nicht getroffen hast.” Den Alternativ-Halbsatz “… den du noch nicht erschossen hast”, blenden wir schön aus.

    Andere Menschen zu hassen, kann ja auch eine schöne Gemeinsamkeit sein 😀

  3. Ha ha – wärst du nicht ausgewichen, wären wirs. Aber das brauchen wir ja jetzt nicht mehr. Und wenn du bald ein Stückerl weiter weg wohnst, zeigt ihr uns dann einfach dort neue Ecken zum Ausweichen. Wir freuen uns! 🙂

  4. Da unsere Hündin bisher keine Probleme mit anderen Hunden hatte brauche ich,zum Glück,nicht ausweichen.Worüber ich froh bin…
    Ich finde es immer schade wenn man sieht,wie ein Frauchen/Herrchen seinen Hund wegzieht und sie keinen Kontakt haben dürfen.Aus welchem Grund auch immer…
    Ich kann deine Situation aber auch verstehen…

  5. Wir suchen uns auch immer Ecken wo möglichst wenig los ist. Hundebegegnungen verlaufen für Tiffi oft negativ. Weil ich sie nicht ableine, werde ich oft von Hundehaltern, deren Hunde auf sie losgehen angemault, weil ich ja dann Schuld am verhalten ihrer Hunde bin.
    Dadurch das ich vielen Begegnungen ausweiche, verpasse ich bestimmt auch oft Chancen und Gelegenheiten zu freundschaftlichen Kontakten.

    Toll, dass ihr euch trotzdem kennen gelernt habt.

  6. Ich bin immer wieder extrem genervt von Hundehaltern, die meine Rufe wie “Wir sind im Training, kein Kontakt” mit einem “Nur mal begrüßen lassen…” quittieren und ihre Hunde ran lassen. Oder ich weiche auf die andere Straßenseite aus, einfach weil ich aus nur mir bekannten Gründen gerade nicht möchte, dass mein Hund an der Leine zum Hund springt und dann folgen sie mir und vereiteln mein Ausweichen. Ehrlich gesagt waren genau solche Situationen der letzte springende Punkt bei mir, weswegen ich vor einer Woche sagte: So, jetzt fange ich an zu bloggen…

    • Alles wunderbare was ich durch den Hund gelernt habe… aber leider habe ich auch sehr viel Respektlosigkeit und Arroganz fremnder Menschen spüren müssen. Es hat etwas gedauert, bis mir da ein kleiner Abwehpanzer bzw. Rein-Raus-Taktik angewachsen ist.

      Und das mit dem “nur mal begrüßen lassen…”… mein Gott, ich fasse doch auch nicht jedem Menschen an den Schritt, der mir übern den Weg läuft…

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