Alle unter einem Dach mit Hund und Katz

Eine Woche. Drei Kinder, drei Erwachsene. Zwei Katzen, zwei Hunde. Ein Ferienhaus. Alle unter einem Dach. Was turbulent klingt, war es auch. Doch wir hatten Spaß und haben uns erholt. Charlie hat zwar lernen müssen, dass es Katzen gibt, die Hunde angreifen, aber Lis hat sich gerächt und den Karton der Katze „kontaminiert“.

Geplant war eine Auszeit am Oderbruch mit Hunden und Kindern. Im Ferienhaus von Freunden. Und dann kündigte sich der Hausherr samt Sohn an. Eine schöne Überraschung, die uns allen willkommen war. Was ebenso überraschend war: Er brachte seine beiden Katzen mit.

Hund und Katz

Charlie kennt und mag Katzen. Lis kennt und hasst Katzen. Die Katzen hatten bis dahin keinen (bekannten) Hundekontakt. Sie sind aber beide Freigänger und kennen deshalb wahrscheinlich Hunde zumindest vom Sehen. Zum Erstkontakt hatte ich Charlie und Lis angeleint und wartete vor dem Haus. Aus dem Auto stiegen, neben Vater und Sohn, ein weiß-grauer Kater und eine schwarze Katze aus. Charlie und Lis waren definitiv entspannt und zeigten kein Interesse, ganz anders die Katzen. Der Kater, fast so groß wie Lis, ging direkt auf Angriff über. Fauchte, machte einen Buckel, war laut und einfach eine perfekte Imitation von Lis. Laut und nicht besonders freundlich. Lis reagierte sofort und wollte das Problem umgehend lösen. Das unterband ich natürlich. Spannend zu beobachten, dass auch Katzen territorial zu sein scheinen: Wir standen gute 15 Meter weit weg vom Auto auf dem Grundstück, versperrten keinen Eingang und keinen Laufweg. Und trotzdem erfasste der Kater uns sofort und zeigte deutlich sein Missfallen. Die deutlich kleinere schwarze Katze war neugierig und auch positiv an uns interessiert, traute sich jedoch nicht, näher zu kommen. Charlie war total irritiert und verstand nicht, warum er nicht einfach die Katzen begrüßen durfte.

 

 

 

 

 

 

 

 

Und dieses Verhalten war maßgeblich für die ganze Zeit: Lis und der Kater waren auf Konfrontationskurs, Charlie und die Katze eher auf Annäherung aus, wurden aber ständig von ihren Kontrolleuren (Lis und Kater) daran gehindert. So blieb es bei sehnsüchtigen Blicken auf kurze Distanz. Es ergab sich einfach kein Moment, wo Charlie und die Katze ungestört waren. Dafür hatte Charlie zwei Angriffe des Katers zu überstehen, beide Male lag Charlie dösend herum und der Kater schlich sich an ihn heran. Auf ungefähr einen Meter Abstand fauchte er, schlug einen Haken vor Charlies Nase und war sofort wieder weg. Zum Glück griff er nicht wirklich an und suchte auch keinen Körperkontakt dabei. Sonst hätte ich Charlie noch beschützen müssen, denn diese Schein-Attacken verwirrten ihn total und er kam überhaupt nicht auf die Idee, sich zu wehren.

Lis rächt sich perfide

Lis war für ihre Verhältnisse sehr tolerant, was wohl auch an meiner konsequenten Führung und Kontrolle lag. Konnte ich Lis nicht beaufsichtigen, war sie an der Leine. Ich wollte um jeden Preis verhindern, dass sie sich mit dem Kater anlegt. Und doch fand Lis einen Weg, um dem Kater eins auszuwischen: Tag für Tag beobachtete sie, wie der Kater sich in einen offenen Karton vor dem Kamin legte und dort sichtlich entspannte. Und am letzten Tag kam Lis Stunde: Der Karton war leer und sie ausnahmsweise nicht an der Leine. Schnurstracks lief sie auf den Karton zu, verschmähte ihr Kissen dabei und setzte sich frech in den Karton. „Pah, fieser Kater! Da hast Du es! Ich habe Deinen Karton besetzt und mit Hundehaaren verseucht!“ So etwas muss in ihrem Kopf vorgegangen sein, denn sie saß aufrecht und stolz. Nach einigen Minuten entscheid sie, dass der Karton ihren Ansprüchen ansonsten nicht genüge und legte sich wieder zu Charlie.

 

Natur, Laufen, Wind und Wetter

Im Übrigen verliefen die Tage im Oderbruch so, wie wir es bereits im vergangenen Jahr erlebt und genossen haben. Wir waren viel draußen, sind am Deich spazieren gewesen, haben viel Zeit mit den Kindern verbracht und uns viel treiben lassen. Das Wetter spielte zum Glück häufig mit und wir erwischten sogar noch ein paar Sonnenstrahlen. Charlie war draußen ständig total aufgekratzt, sprang und spielte wie von Sinnen. Lief zur Oder, plantschte und trank, ließ sich vom Geschrei der Wildgänse irritieren, raufte und balgte mit den Jungs. Und auch Lis war total gut drauf, sie lief viel, strahlte irgendwie und es gab nicht einen Moment, in dem sie auf Spaziergängen zurück fiel.

Und auch bei Regen ist es am Oderbruch noch schön: Regen passt in diese schöne Landschaft ebenso gut wie Sonne. Bei Regen herrscht oft ein starker Wind, der selbst den Hunden die Haare verwirbelte. Es gab Momente, da stand Lis im Wind und ließ sich einfach durchpusten. Sie schien das, im Gegensatz zu mir, zu genießen. Ich fand es eher mühsam, ständig Haare im Gesicht zu haben, besonders, wenn die Strähnen nass vom Regen sind und ins Gesicht klatschen…

Körperpflege mit neuen Maßsstäben

Lis und Charlie werden regelmäßig gekämmt. Besonders zum Fellwechsel ist das auch bitter nötig. Und wie es der Zufall wollte, musste ich im Oderbruch nicht selber Hand anlegen, sondern die Jungs übernahmen diese undankbare Aufgabe freudig. Und setzten neue Maßstäbe: Kämme ich mit dem Gedanken, möglichst effektiv zu sein und es für alle Beteiligten so kurz wie möglich zu gestalten, so nahmen sich die Jungs vor, das Kämmen in Wellness zu verwandeln. Lis wurde mit einer sanften Inbrunst gute 30 Minuten lang fast zärtlich ausgekämmt und Charlie mit dem Striegel massiert. Und das Ergebnis konnte sich sehen lassen, beide Hunde glänzten und waren total entspannt.

Orientierung und Unfälle

Was mir am Oderbruch aufgefallen ist: Je stärker Charlie abgelenkt ist, desto unvorsichtiger ist er. Ist er im Gute-Laune-Modus und aufgekratzt, vergisst er manchmal, dass es durchaus Hindernisse auf seinen Wegen geben kann.  So stolperte er mehr als einmal über Gräben und Löcher in der Wiese, schaffte die Treppe am Eingang nur ohne Zusammenstöße, wenn ich ihn vorher zur Vorsicht ermahnte und lief sogar zweimal gegen die Haustüre, dabei wirkte er so, als sei er in Gedanken schon längst draußen und hätte mit dieser Türe überhaupt nicht mehr gerechnet.

An seiner Orientierung kann es allerdings nicht liegen, denn auf einem Spaziergang trennte sich unsere kleine Gruppe und Charlie schaffte es, die anderen wieder aufzustöbern. Ich lief mit zwei der Jungs und den Hunden weiter, während unser FT-F mit einem seiner Söhne einen anderen Weg einschlug, um Holz für ein Baumhaus zu suchen. Charlie war ab dem Zeitpunkt der Trennung recht nervös, blieb aber bei mir. Auf dem Rückweg wurde er jedoch deutlich unruhiger, als wir die Stelle passierten, an der sich die anderen von uns getrennt hatten. Er hielt ständig die Nase in den Wind und die Ohren waren aufgerichtet.

Auf der Hälfte der Strecke zurück zum Haus blieb er dann stehen, spitzte die Ohren und witterte total aufgeregt. Dann fiepte er und hielt den Kopf in Richtung Wald. Blieb wie eingefroren stehen. Dann nahm er einen neuen Eindruck wahr, tänzelte und rannte auf den Wald zu. Was er nicht sehen konnte: Dieser war durch einen breiten Sumpf von unserem Weg getrennt und das Schilf war undurchdringlich. Charlie unternahm mehrere Versuche an verschiedenen Stellen und musste einsehen, dass es kein Durchkommen gab. So lief er ein ganzes Stück parallel zu diesem Sumpf, bis zur nächsten Kreuzung. Und dann vernahmen wir es auch: Die beiden Anderen waren in diesem Waldstück und nun auch für uns hörbar. Von der Kreuzung aus war es für Charlie ein Leichtes in den Wald zu gelangen und er rannte den Beiden total aufgeregt entgegen. Wie groß war seine Freude, als endlich die ganze Gruppe wieder zusammen war!

Damit ist für mich bewiesen: Wenn er konzentriert ist, sind seine verbleibenden Sinne eine hervorragende Orientierung für ihn und er nimmt auch Hindernisse wie Schilf wahr. Nur wenn er abgelenkt ist, verlassen ihn seine Sinne manchmal und es kommt zu kleinen Zusammenstößen.

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8 Kommentare

  1. Was für ein toller Urlaub für euch!
    Und ja, Katzen sind territorial. Ich hatte mal eine kleine graue 2 kg Katze, die jeden Hund das Fürchten gelehrt hat, der sich unserem Tor auch nur auf ein paar Meter genähert hat. Unserer damaliger Aussie hat es ihr gedankt und sie dann drinnen – nach der Rückverwandlung von Furie zu Schmusekatze – ausgiebig geputzt und geschmust.
    Sei froh, dass dieser Kater nur Scheinangriffe gestartet hat. Die Minimiez hätte das ernst gemeint und deinen Hunden ein paar Löcher im Fell verpasst. 😉
    Herzliche Grüße
    Stephie

  2. Oh, das klingt ja nach einem Wellness-Abenteuer-Urlaub 😉

    Charlie ist so witzig. Ich möchte in einfach nur knutschen und ihm einen Helm schenken. Der arme Knopf. Latscht gegen die Haustür… Was steht die da auch so unnütz rum?

    Bürsten mache ich aber auch nicht zielgerichtet und schnell. Das geht bei mir immer ewig, weil Shiva die ganze Zeit am kaspern ist. Aber wir machen es mit Absicht so entspannt wie möglich, damit sie es sich gerne gefallen lässt. So kann die eine Seite 15x gebürstet sein und die andere vielleicht 1x… *grins* Das Wuschelchen nimmt es mit Humor. Dazwischen wird immer getrickst, geknutscht, gealbert und auch mal gespielt. Man wird zwar nicht fertig, aber es macht viel mehr Spaß.

    Flauschige Grüße
    Sandra & Shiva

    • Lis zu kämmen ist kein Spaß. Niemals. Sie hat gruseliges, fusseliges Unterfell, dass gerade jetzt büschelweise raus kommt. 😉 Aber beide Hunde lassen sich auch meine „effektive“ Art gerne gefallen und sind dabei entspannt. Wir haben anfangs auch langsam trainiert, aber wenn ich heute bei zwei Hunden immer noch so viel kaspern würde – und das im Moment zweimal die Woche – müsste ich mir einen Tag Urlaub dafür nehmen. Hach, ich hätte gerne immer kleine Wichtel, die die Hunde im Fellwechsel kämmen. 🙂

  3. Sieht sehr schön aus, dort 🙂

  4. HA! Da hat es Liz dem Rabauken aber mal gezeigt – das finde ich echt großartig 🙂
    Unser Sam findet Katzen eher als Jagdobjekt toll (wenn wir ihn lassen würden), aber wenn so eine Kamikatze auf ihn zu käme, würde er vermutlich eher die Flucht ergreifen…oder sich eine blutige Nase holen 😉

    Ansonsten klingt das nach einem wunderbaren Urlaub für euch alle!!!

  5. Wie schön, dass ihr euren Urlaub so genossen habt. Von Mia kenne ich das auch, dass sie im Urlaub lebhafter und beim Laufen vorne mit dabei ist. Allerdings bin ich nicht sicher, ob sich meine beiden mit Katzen hätten arrangieren können – besonders Kalle wäre da möglicherweise zu keinem Waffenstillstand bereit. 😉

    • Vorher hätte ich es auch ausgeschlossen, dass Lis unter einem Dach mit Katzen ist und es nicht zu Verletzungen kommt! Aber das war ja nicht geplant und ich konnte ja kaum meine Sachen packen und wegen zweier Katzen abreisen. 😉 Also haben wir das Beste daraus gemacht und ich bin dankbar, dass ich den Erste-Hilfe-Kasten nicht brauchte. 😂

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