Über Tische und Bänke

Über Tische und Bänke

Manche Menschen glauben, wenn man einen oder mehrere Hunde besitzt, lebt man in Unordnung und nicht lupenreiner Sauberkeit. Sobald ich erzähle, dass ich zwei Hunde habe, merke ich diesem Typ Mensch an, dass er denkt „Die springen doch über Tische und Bänke.“ 

Dabei ist unser Leben sehr geregelt, die Hunde sind meist entspannt und es gibt wirklich Freunde, die mich mit beiden (!) Hunden gerne bei sich zu Hause empfangen. Diese Menschen wissen, dass wir meist eine Decke mit uns führen, damit die Hunde auch an fremden Orten einen festen Platz haben, auf dem sie sich ablegen können. Dass wir meistens vorher einen Spaziergang gemacht haben, damit die Hunde ausgelastet sind. Dass meine Hunde keine Veranlassung haben, Mülleimer umzuwerfen, Schuhe zu zerstören oder in die Ecke zu urinieren. Sie wissen, dass meine Hunde zwischen unserem und fremden Sofas unterscheiden können und ein Sofa, einen Sessel oder gar ein Bett niemals ohne Erlaubnis betreten würden. Sie wissen, dass meine Hunde ein „Raus-aus-der-Küche-Kommando“ kennen und beim Kochen nicht im Weg stehen.

Und zu Hause ist es ja nicht anders. Die Erziehung, die die beiden außer Haus an den Tag legen, habe ich mit Ihnen zu Hause erarbeitet! Unser Leben besteht aus Regeln und Ritualen, die unser Zusammenleben prägen und an die sich alle Beteiligten halten müssen. Übrigens auch ich.

Und wenn man ein gutes Team bildet, dann darf man ab und an auch schon einmal Ausnahmen zu den Regeln machen. Das ist zumindest meine Einstellung. Ich behaupte, Charlie und Lis sind in der Lage, Ausnahmen zu erkennen und als solche einzuordnen. Diese Annahme begründe ich darauf, dass sie nach einer Ausnahme jedes Mal wieder zum Alltag zurück kehren. Nehmen wir ein einfaches Beispiel: Beide Hunde dürfen nicht ins Bad. Das letzte Gewitter bei uns ging aber los, als ich unter der Dusche stand. Charlie hat Angst bei Gewitter. Ich sehe ihn also vor der Badezimmertüre stehen und langsam in Stress geraten. Folglich habe ich ihn gerufen und ihm erlaubt, sich im Badezimmer auf die Badematte zu legen. Meine Nähe beruhigt ihn. Am nächsten Tag war dann wieder alles wie immer. Charlie hat brav VOR dem Badezimmer gelegen und wäre nie auf die Idee gekommen, wieder auf der Badematte zu liegen.

Und so gab es gestern Abend auch eine Ausnahme: Ich saß draußen und habe nach der Arbeit entspannt. Am Tisch steht eine Bank, die mangels zahlreichem Besuch frei war. Charlie liegt gerne erhöht. Er liebt seinen Sessel im Wohnzimmer und nutzt diesen, wann immer er kann. Draußen haben wir aber eigentlich keine Möglichkeit, dass er erhöht liegt. Eigentlich. Denn er hat gestern die Bank für sich entdeckt. Stellt sich daneben. Setzt sich davor. Schnüffelt vorsichtig daran. Dreht sich zu mir um. Schnüffelt nochmal. Hält den Kopf fragend schief. Wer kann da widerstehen?

Ich habe also „Hopp“ gesagt und ihm erlaubt, es sich auf der Bank gemütlich zu machen. Und dadurch zwei Dinge erreicht: a) einen Hund, der durch diese Ausnahme ein kleines Stück glücklicher ist b) die Bestätigung des Vorurteils „Die springen doch über Tische und Bänke.“ Und zu allem Übel habe ich noch Fotos davon gemacht, die ich online stelle! Sollte mich demnächst jemand mit dieser Einstellung konfrontieren, werde ich stolz lächelnd die Fotos zeigen und sagen „Ja, du hast Recht.“ Und dann laut schallend lachen.

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