Erfolg durch Anmaulen

Erfolg durch Anmaulen

Ich bin erkältet. Schon seit ein paar Tagen und deshalb nicht ganz so fit. Unsere großen Spaziergänge strengen mich etwas an und ich finde es gerade doof, im Bergischen Land zu wohnen. Bergauf, bergab, das ist hier Programm. Also sind wir in den letzten Tagen eher schnaufend und keuchend durch den Wald gegangen, zumindest ich.

Unsere Mittagsrunde am Sonntag fand bei strahlendem Sonnenschein statt, eigentlich schön. Der Nachteil ist, dass dann auch all die Menschen in den Wald gehen, die ihn bei Regen noch nicht mal buchstabieren können! Selbst auf den einsamen Strecken ist mehr los. Mountainbiker, Wanderer, Stockenten.

An Tagen wie diesen habe ich die Hunde auf den Hauptwegen an der Leine. Ist stressfreier für alle Beteiligten. Auf dieser Runde hatten wir nun das Pech, dass kurz vor uns eine wohl gut riechende Hündin auf unseren Weg einbog. Charlie ist eigentlich leinenführig, aber der Dame wollte er unbedingt hinterher. Er zog, zappelte und beanspruchte meine Geduld sehr. An normales Gehen war nicht mehr zu denken.

Also die üblichen Tricks ausgepackt. Wortkommando. Richtungswechsel. Tempowechsel. Stehenbleiben. Kein Erfolg. Der kleine Romeo blieb unansprechbar und die Leine weiterhin unter Spannung. Also ließ ich ihn kurz sitzen. Weitergehen mit Kommando. Wieder „Sitz.“. Vergebens.

Nach knapp zehn Minuten war ich mit den Nerven durch. Lis auch. Es muss doch möglich sein, diesen Weg in einem normalen Zustand weiter zu gehen! Nein, ich werde nicht umdrehen und aufgeben. Auch ich bin ein Trotzkopf.

Ich rede selten bis niemals mit erhobener Stimme mit den Hunden, versuche immer, leise und ruhig Kommandos zu geben. Außer den beiden Notfallkommandos (Stopp und Schlachtruf) versuche ich es zu vermeiden, laut zu sein.

Charlie zog mich also durch den Wald. Ich hustete und schniefte, war nass geschwitzt. Bäh. Und dann platzte mir der Kragen: „Verdammt, Charlie! Es wird ja wohl möglich sein, dass Du ein paar Meter anständig läufst und nicht wie ein Haufen Sch..!“ Laut und wütend. Maulig. Ich hatte echt keine Lust mehr.

Charlie blickte mich irritiert an. Ging zwei Schritte zurück, so dass seine Schulter auf Höhe meines Beines war. Lächelte mir irgendwie aufmunternd zu. (Wirklich! So hat sein Gesichtsausdruck gewirkt.) Und als ich dann wütend weiterstapfen wollte, blieb der kleine Drecksack perfekt im Fuß. Für den Rest der Strecke! Sogar nach einem Seitenwechsel von rechts nach links geführt.

Da strampel ich mich ab. Erinnere alle Trainingstipps zur Leinenführigkeit. Handele wie nach Lehrbuch. Und er lässt mich auflaufen. Maule ich ihn dann an und beschimpfe ihn, gibt er endlich nach? Das kann ja wohl nicht sein Ernst sein! Vielleicht sollte ich öfter unflätig werden!

Jedenfalls war ich dann so stolz auf seinen nahezu perfekten Lauf an der Leine, dass ich sogar Fotos gemacht habe. Bleibt die Frage: „Warum nicht gleich so?“

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