Willkommen in 2017

Willkommen in 2017

Wir machen uns nicht viel aus Silvester. Ja, wir feiern gerne, aber Silvester muss das nicht zwingend sein. Feuerwerk ist Geschmacksache, ich finde, man kann sein Geld anders ausgeben. Und so haben wir das alte Jahr sehr gemütlich ausklingen lassen.

Dinner for two, gebratene Hühnerherzen für die Hunde. (Man kann sein Geld anders ausgeben.) Alles tiefen-entspannt, auch Charlie. Schon seit dem späten Nachmittag krachten die ersten Raketen, keinerlei Reaktion. Ein Knall schreckt ihn nicht mehr. Als es dann um Mitternacht allerdings so richtig rund ging und unsere gesamte Kleinstadtbevölkerung offensichtlich Raketen in den Himmel schoss, verlor Charlie die Nerven. Pfeifen, Knallen, Zischen, das war zu viel für ihn. Er stand hechelnd und zitternd im Wohnzimmer. Ohren aufgerichtet, den Kopf ständig bewegend um die Geräusche zu orten.

Okay, als liebende Hundehalterin kann ich das doch nicht völlig ignorieren! Ich weiß, man darf nicht trösten und verstärken. Und trotzdem will alles in mir sich auf den Boden werfen, ihn in den Arm nehmen und festhalten, bis es vorbei ist. Ihm die Ohren zuhalten, das Pfötchen halten und die Welt für ihn erträglicher machen.

Stattdessen bleibe ich gezwungener Maßen ruhig, nehme meinen großen Schal und pucke Charlie damit. Um den Hals, um die Brust, um den Bauch. Sieht komisch aus, lenkt ihn aber ab und scheint zu beruhigen. Er legt sich ab und hechelt liegend weiter. Ein kleiner Fortschritt.



Lis liegt übrigens im Tiefschlaf auf ihrem Kissen und ist vollkommen außen vor. Feuerwerk hat sie noch nie interessiert, auch mit der Taubheit hat sich da nichts geändert. Auch Charlies Unruhe blendet sie völlig aus.

Nachdem das Feuerwerk vorbei ist, endet Charlies Stress schlagartig. Es liegt einfach an der Masse der Geräusche. Vereinzelte weitere Raketen interessieren ihn weder im Laufe der Nacht noch am Neujahrsmorgen.

An Neujahr machen natürlich auch wir den obligatorischen Neujahrsspaziergang, es erstaunt mich immer wieder, wie viele Menschen dann im Wald unterwegs sind. Es ist knackig kalt, der Boden gefroren, die Luft herrlich. Sonnenstrahlen wärmen unsere Nasen. Irgendwie sind (fast) alle Menschen freundlich, man grüßt sich im Wald und ruft fröhlich „Frohes Neues!“. Eine schöne Stimmung. Charlie trifft auf rüpelige Rüden, mit denen er durch den Wald toben darf und beginnt das neue Jahr somit mit Jungs-Kram, der ihm herrliche Freude bereitet. Lis führt ihr neues blaues Mäntelchen aus (Man kann sein Geld eben anders ausgeben. 😉 ) und verachtet Charlie für sein Gerüpel und in ihren Augen sinnloses Herumrennen. Ich halte die Hand des FT-F und bin happy.

Und dann passiert etwas, das ich so bei Charlie noch nie erlebt habe: Er wittert etwas, ich reagiere zu langsam und er rast los. Ab in die Böschung, die Nase im Wind und nicht abrufbar. Herzrasen. Erster Impuls: Hinterherlaufen. Innerliches Abspulen allen Wissens: Nicht Mit-Jagen. Rufen, um die eigene Position klar zu machen. An Ort und Stelle bleiben. Geistes-Blitz: Wir haben doch einen Schlachtruf etabliert! Ich atme wieder. Sehe Charlie gute 80 Meter entfernt den Hang hochrasen. Überwinde mich: „Charlie! Jippieh! Jipp! Jipp! Jipp!“ (Blöd, vor dem FT-F, aber besser als ein jagender Hund.) Charlie bremst, dreht ab und rast den Hang hinunter auf mich zu. Yeah! Er ist der beste Hund der Welt. Davon bin ich in diesem Moment wirklich überzeugt. Er erinnert den Schlachtruf, unterbricht seine Jagd und kommt zu mir zurück. Zu MIR! Ich freue mich und es fällt mir überhaupt nicht schwer, ihn aufrichtig freundlich zu empfangen und zu loben. Und nun ist für mich der Jahresbeginn absolut perfekt. Es ist egal, dass mein blinder Hund soeben das Jagen entdeckt hat, einer Witterung gefolgt ist. Wichtig ist: Er hat abgebrochen, ist zurück gekommen und hat dabei keinen Baum gerammt. Meine kleine perfekte Welt.

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