Eislauf für Anfänger und Fortgeschrittene

Eislauf für Anfänger und Fortgeschrittene

Charlies erste Begegnung mit Eis war wenig erfreulich: Auf einer unsere beliebten Wochenend-Runden gibt es eine große Pfütze, die er liebend gerne zum Baden zweckentfremdet. Er holt sich einige Meter vorher schon mein Einverständnis, dass er losflitzen darf. Konkret läuft er neben mir, erkennt die Stelle wieder (Wie auch immer!?) und fängt an zu tänzeln. Läuft ein paar Meter vor. Kommt zurück zu mir. Hüpft. Und wenn ich dann „OK!“ sage, rast er auf die Pfütze los und springt hinein. Ein unfassbar niedlicher Anblick! In unserem ersten gemeinsamen Winter zeigte er genau dieses Verhalten und sprintete voller Freude auf seine Pfütze zu. Doch die zeigte sich wenig freundlich und war einfach zugefroren!  

Charlie schlitterte über die Eisfläche, die Beine gingen ihm wie im Comic nach rechts und links weg und er rutschte auf dem Bauch liegend bis zum Ende der Pfütze. Da er ein kleiner Sonnenschein ist, verdarb ihm das natürlich nicht die Laune und er wollte auch nicht einsehen, was mit seiner Pfütze geschehen war. Also startete er einen zweiten Anlauf, etwas zaghafter allerdings. So rutschte er nicht mehr auf dem Bauch, sondern nur auf den Pfoten und bremste mit dem Kinn. Lis und ich standen kopfschüttelnd daneben. So was hatten wir beide noch nicht gesehen. Charlie startete bestimmt noch 5 weitere Versuche, in der zugefrorenen Pfütze zu baden. Natürlich ohne Erfolg. Danach näherte er sich allen Pfützen und Gewässern deutlich vorsichtiger und misstraute sämtlichen Eisflächen. Bis endlich das Frühjahr kam und er wieder voller Genuss seiner Leidenschaft, dem Schlammbaden, nachgehen konnte. Er ist und bleibt eben ein „Ungarisches Wasserschwein„.

Der jetzige Winter kam in unserer Region spät, aber immerhin mit Frost seit einigen Wochen. Die Pfützen sind zugefroren und der ein oder andere Teich ebenso. Ich dachte, Charlie hat vom vergangenen Winter genug und erkannt, dass seine Schwimm-Gelegenheiten sich in einem nicht-nutzbaren Zustand befinden, Aber ich habe seine Kreativität unterschätzt!

Charlie näherte sich beim ersten Wintereinbruch seinen Pfützen zwar verhaltener, aber mit gleicher Freude. Er bremste kurz vor der „Wasser-Grenze“ ab und tastete vorsichtig mit den Pfoten. Setzte langsam eine Pfote nach der andere darauf und testete, wie er sich auf diesem sonderbaren Element am Besten bewegt. Zuerst auf einer zugefrorenen Überflutungsfläche im Wald, dort ist die Eisfläche nicht zusammenhängend, sondern von kleinen Erdhügeln und Bäumen unterbrochen. Es gab also immer wieder die Möglichkeit, Halt zu finden. Nach diesen Übungen für Anfänger fühlte er sich offensichtlich gestärkt im Umgang mit dem Element Eis und wurde immer mutiger. Er fing auf dem Teich im Garten einer Freundin an und steigerte sich bis hin zu dieser Woche, in der er sich auf einen wirklich großen, zugefrorenen Teich wagte. Es ist einfach nicht in Worte zu fassen, wie er sich auf dem Eis bewegt! Teils bewusst rutschend, dann wieder mit den Krallen bremsend, immer mit einem glücklichen, strahlenden Gesichtsausdruck! In diesem Winter hat er tatsächlich den Status „Fortgeschrittener Eisläufer“ erreicht.

Ich gestehe, dass ich insbesondere bei dem größeren Teich mit Herzklopfen am Rand stehe und bete, dass er nicht einbricht. Ich versuche dann immer, ihn mittels Zuruf am Rand zu halten, was mir meist gelingt. Ich erhoffe mir davon, dass er, falls er einbricht, größere Chancen hat, das Ufer wieder zu erreichen. Und wenn er näher am Ufer ist, kann ich ihm im Notfall besser helfen. Was mich etwas beruhigt ist die Tatsache, dass es sich erstens noch um einen Teich und keinen See handelt und dieser zweitens nicht sehr tief ist. Und natürlich drittens, dass Charlie wirklich ein Fliegengewicht ist und wenn stattliche Männer von der Eisfläche gehalten werden, sehe ich für Charlie kein Problem. Bei unserem letzen Besuch am Teich war nämlich tatsächlich ein Mann auf der Eisfläche, was uns alle drei etwas irritiert hat: Ich habe mich gefragt, was der Mann da macht. Lis wahrscheinlich auch. Und Charlie konnte nicht verstehen, dass ich am Ufer bleibe, während andere Zweibeiner offensichtlich viel mutiger war als ich. Mehrfach bellte er mich auffordernd an, ich solle ihm doch folgen. Aber nicht mit mir, ich halte es da wie Lis und gehe lieber auf Nummer sicher! Denn wenn ich noch nicht mal auf die Eisfläche in einer überdachten Eislaufhalle gehe, was sollte mich dazu bewegen, auf eine Eisfläche in freier Wildbahn zu gehen? Nein, diese Abenteuer überwache ich lieber von außen und bewundere die Eleganz meines kleinen Tollpatsches.

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