Charlie und das Fahrradfahren

Charlie und das Fahrradfahren

Am Wochenende hatten wir einen Anflug von Frühling. Endlich mal kein Dauerregen, sondern sogar ein paar Sonnenstrahlen tagsüber. Dazu keine frostigen Temperaturen. Ein willkommener Anlass, wieder mehr Zeit als üblich draußen zu verbringen! So gingen wir Samstags eine große Morgenrunde, auf der Lis aber Probleme mit der Motorik zeigte. Nach einer Dreiviertelstunde brachen wir ab, da die Arthrose ihr offensichtlich Schmerzen verursachte und sie nicht „rund“ lief.  

Charlie war etwas enttäuscht, er wäre gerne noch mehr gelaufen. Also habe ich entschieden, mein Fahrrad aus dem Winterschlaf zu befreien und mit ihm eine kleine Runde zu drehen. Fahrradfahren haben wir von Anfang an geübt, schon vor seiner Diagnose. Bei gutem Wetter drehen wir dann gerne eine Runde, mal mit Lis, mal ohne. Für Lis habe ich dazu zwei Möglichkeiten: Hat sie einen guten Tag, nehme ich das Mountainbike und befestige einen Korb am Lenker. Dann darf sie so lange langsam mitlaufen, bis es nicht mehr geht und dann in den Korb. An schlechten Tagen nehme ich mein Hollandrad, das hat einen viel größeren Lastenkorb vorne befestigt. Dann fährt Lis gut gepolstert im Lastenkorb mit und darf aussteigen, wenn wir eine Pause machen. Da ich aber mit Charlie etwas Gas geben wollte und Lis total müde von der Runde war, habe ich entschieden, sie zu Hause zu lassen.

Also zogen Charlie und ich mit dem Mountainbike los. Zuerst gemütlich und langsam zum Warm-werden, Charlie an der Leine. Er läuft dann auf Höhe meines Knies neben mit, ist aber ab und an unsicher, weil er den Abstand nicht einschätzen kann. Wenn er zu nahe an mir ist, spürt er das und weicht zur Seite aus. Dann ist er aber meistens zu weit weg, um noch zu spüren, wo mein Bein ist und pendelt wieder zurück. Diese Unsicherheit zeigt er jede Saison bei den ersten Touren, das legt sich dann mit der Zeit.

Im Freilauf läuft er direkt hinter dem Fahrrad. Er orientiert sich dabei am Hinterrad, wie auch immer er das macht. Ich nehme an, er hört den Reifen beim Abrollen oder ähnlich.  Jedenfalls ist er immer ca. 1 Meter hinter mir und schafft es, jede Lenkung nach rechts oder links mitzumachen.  Wenn ich bremse, bekommt er von mir ein „Stopp“ zugerufen, was aber wahrscheinlich eher unnötig ist, da er auch Geschwindigkeitswechsel gut mitmacht. Ich würde so gerne wissen, wie er das anstellt!

Auf unserer Runde am Fluss entlang trafen wir einige Hunde. Fahre ich weiter, interessiert Charlie sich für diese überhaupt nicht und bleibt beim Fahrrad. Halte ich an und gebe ihm ein OK-Signal, spielt er eine Runde. Das ist sehr entspannt und gefällt uns beiden.  So durfte er zwischendurch mit einer Hündin spielen, die wir kennen und einem seiner Kumpels kurz „Hallo“ sagen. Insgesamt hat die Runde uns beiden gut getan, wir haben die frische Luft und die zusätzliche Bewegung sehr genossen.

Natürlich stelle ich mir die Frage, ob es sinnig ist, mit einem erblindenden Hund Fahrrad zu fahren. Aber es funktioniert offensichtlich! Und wir haben beide Spaß und Charlie bekommt so ein zusätzliches Konditionstraining. Hätte ich den Eindruck, die Art der Bewegung würde ihm nicht bekommen oder er hätte Probleme mit der Orientierung, würde ich es natürlich ihm zu Liebe sein lassen. Die Halterin der Hündin, die wir trafen, sprach mich auch darauf an, dass sie es verwunderlich fände, dass ich mit ihm Fahrradfahre. Ich habe dann nur gefragt, ob es ihr so vorkäme, als würde Charlie damit nicht zurecht kommen, was sie verneinte. Ich denke, mehr Argumente muss ich nicht hervorbringen, oder?

Und für die letzten Zweifler hat mir gestern ein Freund ein Video gesendet, das ich gerne hier verlinke, dort spielt ein blinder Hund nicht nur Ball, sondern schwimmt dabei auch noch! Blinde Hunde können offensichtlich viel mehr, als einige Menschen glauben: https://www.facebook.com/LaBioguia/videos/1404203036295774/

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