Veränderungen stehen an

Veränderungen stehen an

Seit dem Besuch von Enki habe ich nicht mehr viele Beiträge veröffentlicht. Denn zur Zeit passiert bei uns zwar viel, aber es war eine Zeitlang nicht spruchreif. Wir leben unseren Alltag, genießen den Frühling und ich habe über eine eventuelle Veränderung des Wohnortes nachgedacht. Bis vor einiger Zeit hätte ich immer behauptet: „Charlie, Lis und ich gehören in die eher ländliche Gegend.“ Diese Einstellung hat sich aber verändert und ich befinde mich gerade in einem Stadium, in dem aus Gedankenspielen eine Planung wird. 

Wir drei waren im vergangenen Jahr wiederholt zu Besuch in Berlin und ich habe für mich feststellen können, dass das Leben mit Hund  in der Stadt überhaupt nicht so umständlich oder anstrengend ist, wie ich immer dachte. Wenn man das große Glück hat,  in der Nähe von Freilauf-Flächen zu wohnen, ist es sogar wirklich angenehm. Sicherlich, eine Wohnung im achten Stock ohne Aufzug wäre nicht nur für Charlie und Lis untragbar, aber das Leben in einer Wohnung ist mit den Beiden problemlos möglich. Für sie macht es offensichtlich keinen Unterschied, ob sie bei nächtlichen Notfällen aus einem Einfamilienhaus oder einer Wohnung nach Draußen gelassen werden. Zuhause müssen wir eine Treppe vom Schlafzimmer ins Erdgeschoss überwinden und in einer Wohnung wäre es wahrscheinlich ähnlich. Es ist ihnen egal, ob sie zwei, drei oder fünf Zimmer zu Verfügung haben, da sie sich einfach nur in meiner Nähe aufhalten wollen. Wenn wir „indoor“ spielen, handelt es sich meist um Intelligenzspiele oder ruhige Sachen wie den Schnüffelteppich, wildes Toben und Rennen gibt es bei uns eigentlich nur draußen. Die Beschaffenheit unseres Wohnraumes scheint für sie also irrelevant, Hauptsache warm, trocken und wir alle vereint.

Gehen wir zu Hause spazieren, müssen wir eine Bundesstraße kreuzen, um zur nächstgelegenen Wiese zu kommen. Für längere Runden fahren wir mit dem Auto in den Wald. Das ist in vielen Stadt-Lagen nicht anders.

Die kleinen Unterschiede

Was wäre anders und warum meine Gedankenspiele? Ich wohne schon lange in der dörflichen Gegend, bin dort geboren, kurze Zeit weg gewesen und wieder dorthin zurück. Immer in der direkten Nähe zu Köln, aber eben nicht in Köln. Ich habe es nicht anders kennen gelernt, als dass der nächste Supermarkt nicht fußläufig ist, es wenige Restaurants und schon gar keine Bars oder Cafés für eine Zielgruppe unter dem Rentenalter in direkter Umgebung gibt. Mein Leben gestaltet sich so, dass ich arbeite, mit den Hunden unterwegs bin und am Wochenende auch mal ausgehe. Kaum halte ich mich allerdings öfter in einer Großstadt auf, stelle ich fest, dass ich öfter in Museen gehe, die unmittelbare Verfügbarkeit von Geschäften und Gastronomie nutze und das Stadtleben für mich auch genieße. Und Charlie und Lis? Die machen das gerne mit.  Für sie ist es kein Unterschied, ob sie mich in ein Restaurant auf dem Dorf oder in der Stadt begleiten. Für sie ist es egal, ob wir eine Bundesstraße oder eine Straße in der Stadt überqueren, um auf eine Freilauf-Fläche zu gelangen.

Möchte ich zur Zeit Freunde besuchen oder abends mal nicht kochen, setze ich mich unweigerlich wieder ins Auto. Öffentliche Verkehrsmittel? Fehlanzeige. Unmögliche Zeiten, ab 22.00 Uhr in die eine Richtung überhaupt nicht mehr und Sonntags nur alle 60 Minuten. (Mir ist jetzt klar, warum so viele Mütter ihre Kinder überall hin kutschieren.) Fahrrad? Geht ab und zu, aber es heißt nicht umsonst „Bergisches Land“. Und so sitzen wir drei viel zu oft im Auto und irgendwie bin ich aus heutiger Sicht nicht glücklich mit der Wohnsituation. Die passte früher, als meine persönlichen Umstände anders waren. Aber alleine-lebend mit zwei Hunden ist es auf dem Dorf schon recht langweilig.

Also halte ich seit einiger Zeit die Augen offen und träume mich in die Stadt. Nicht in die Innenstadt, sondern Stadtrandlage, am Fluß, mit „Grün“ in unmittelbarer Nähe.

Bin ich undankbar? 

Mancher mag nun denken „Luxus-Probleme!“ und damit  vielleicht auch nicht unrecht haben. Wir wohnen toll, haben alles, das wir brauchen. Aber da ist dieser kleine Zweifel, dass es vielleicht anders für mich besser sein könnte. Näher an meinen Freunden, näher am Leben und weiter weg vom „ruhigen Alterswohnsitz“. Denn so fühle ich mich seit geraumer Zeit auf dem Dorf. Ich möchte abends mit den Hunden am Rhein spazieren, vielleicht auf einen Drink irgendwo einkehren, mit dem Rad ohne Überwindung von anstrengenden Steigungen Freunde besuchen, mal eben um die Ecke in den Supermarkt gehen, wenn ich etwas vergessen habe. Mit der Bahn ins Museum, nicht stundenlang nach einem Parkplatz suchend durch die Gegend fahren. Kein Vermögen für ein Taxi ausgeben, wenn ich mal ein Glas Wein trinke.

Die entsprechenden Viertel habe ich mir schon länger ausgeguckt. Nicht zu städtisch, aber lebhaft. Viele Parks und sogar Naturschutzgebiete in direkter Umgebung.

Träume werden Wirklichkeit

Und seit ein paar Wochen ist meine Suche sehr konkret geworden und nicht nur ein Gedankenspiel. Nach gefühlten 200 Exposés und diversen Besichtigungen bin ich fündig geworden! Eine Wohnung am Rhein, ein paar Hundert Meter in die eine Richtung ein großes Naturschutzgebiet, in die andere Richtung Cafés, Bars und Restaurants. Erster Stock, Balkon, ruhige Wohnlage, Aufzug und Stellplatz. Mein persönlicher kleiner Traum. Blick auf den großen Fluss.

Wir müssen uns verkleinern. Aber faktisch ändert sich nicht so viel zum Negativen für uns. Wir haben weiterhin Grünflächen vor der Türe.  Möglichkeiten zum Freilauf. Sind näher „am Leben“. Haben einen tollen Blick auf den Rhein. Fast die gleiche Strecke zur Arbeit. Nachbarn. Ungewohnt, da unsere Nachbarn bisher eher weiter weg waren. Aber es hat auch Vorteile, Menschen in direkter Umgebung zu haben.

Ich denke, es wird für uns drei eine große Veränderung. Aber ich bin sicher, dass wir das meistern werden. Charlie wird sich mit meiner Hilfe an die neue Umgebung gewöhnen. Lis wird wenig beeindruckt sein, sie ist stoisch. Und ich werde mich vielleicht befreit fühlen in der neuen Umgebung.

Wir werden die neue Umgebung langsam erkunden, Charlie wird sich sicherlich auch in der neuen Wohnung orientieren können, wenn er sich daran gewöhnt hat. Kleine Unfälle werden in der Anfangsphase vielleicht häufiger werden, aber das passiert uns ja auch, wenn wir zu Besuch bei Freunden sind oder im Hotel. Und wir haben noch ein paar Monate Zeit, bis es so weit ist, der Umzug mit blindem Hund.

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