Versorgungseinheit mit schlechtem Gewissen

Versorgungseinheit mit schlechtem Gewissen

Zur Zeit ist es bei uns nicht besonders gemütlich. Unser Umzug steht bevor, ich habe schon einige Kartons gepackt, Möbel und Dinge aussortiert, die nicht mit umziehen. Diese Arbeiten nehmen Zeit in Anspruch: Zeit, die von unserer gemeinsamen Freizeit abgeht. Deshalb habe ich Momente, in denen ich mir vorkomme, als wäre ich eine reine Versorgungseinheit für die Hunde. 

Das ist kein schönes Gefühl und ich habe latent ein schlechtes Gewissen Charlie und Lis gegenüber. Besonders unter der Woche ist unser Zeitplan, auch Job-bedingt, manchmal knapp. Dann gehen wir morgens eine Runde, mittags eine etwas längere Runde und abends habe ich dann die Wahl: Ich nehme mir Zeit und gehe eine sehr ausgedehnte Runde oder ich gehe eine „angemessene“ Runde und kümmere mich weiter um unseren Umzug. Ich hatte unterschätzt, wie viel Aufwand es ist, sich zu reduzieren. Ich habe einige Dinge, die zu schade sind, sie wegzuwerfen. Diese verkaufe oder verschenke ich über ein Kleinanzeigen-Portal. Neben dem Beantworten von Anfragen muss man Termine vereinbaren, sich für eben diese Zeit nehmen und wird dann manchmal ohne Absage versetzt. Das Verschenken eines Bücherregals hat mich 3 Anläufe gekostet… Also habe ich die Lösung gefunden, dass wir abwechselnd einen Abend ausgedehnt laufen und den anderen Abend eben nur eine notwendige Runde.

„Quality Time“

Aber es liegt nicht an den Spaziergängen alleine. Manchmal habe ich den Eindruck, dass auch gemeinsame Zeit, Kuscheln und Spielen zu kurz kommen. Dann hetze ich durch den Tag und falle abends erschöpft ins Bett. Und frage mich: Wie oft habe ich Charlie und Lis heute gestreichelt? Haben sie genug Zuwendung und Aufmerksamkeit von mir bekommen? Haben wir zwischendurch ein wenig Unfug gemacht?

Es gibt tatsächlich Abende, an denen mein Gewissen so schlecht ist, dass ich nochmal aufstehe, den Klicker zur Hand nehme und wenigstens ein paar Tricks mit ihnen mache. Oder sie aufs Bett hole und ausgiebig kuschele.

Sicherlich ist mein schlechtes Gewissen eine menschliche Wahrnehmung, Charlie und Lis machen keinen besonders unausgeglichenen Eindruck. Lis ist manchmal genervt, wenn ich viel umräume und sie dadurch in ihrer Ruhe störe. Charlie war anfangs durch die Kartons gestresst, hat sich aber daran gewöhnt. Und wenn ich sie nicht in den Weg stelle, stören sie ihn heute nicht mehr. Und trotzdem habe ich das Gefühl, dass zu wenig „Quality Time“ mit ihnen bleibt.

Perspektive

Auch die Perspektive für die nächsten Wochen ist nicht die Beste: der Umzug, das Einleben und Auspacken, Charlie an die neue Umgebung gewöhnen, ihm die Laufwege zeigen, es stehen spannende Zeiten an.

Ich bin gespannt, wie wir drei das schaffen werden und ob der Umzug für Charlie gesteigerten Stress bedeutet. Wie lange wird er brauchen, bis er sich in der Wohnung zurecht findet? Wo platziere ich Körbchen und Wassernapf? Wird er die Fenster und Türen in der Wohnung auch öffnen können? Ab wann kann ich ihn dort alleine lassen?

Spätestens in der Eingewöhnungsphase werde ich wieder von Versorgungseinheit auf „souveräne und liebevolle Führungspersönlichkeit“ umschalten müssen, zur Not packe ich eben ein paar Kartons erst später aus. Denn der kleine Blindfisch soll den bestmöglichen Start in der neuen Umgebung bekommen!

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