Wie den meisten bekannt ist, sind Charlie und Lis Bürohunde. Ich bin in der komfortablen Situation, sie ohne Probleme mit ins Büro nehmen zu können. Doch wie kam es eigentlich dazu? Gibt es weitere Bürohunde bei uns und ist immer alles „eitel Sonnenschein“?

Wie ich in unserem Unternehmen Bürohunde einführte und direkt das denkbar schlimmste Exemplar mitbrachte

Ich bin mit Hunden groß geworden. Kann mir ein Leben ohne Hunde nicht vorstellen. Und als meine persönlichen Verhältnisse nach der Ausbildung es zuließen, wollte ich endlich wieder einen Hund in meinem Leben haben. Und stand vor den klassischen Problemen: Wohin mit dem Hund während der Arbeit? Während eines Urlaubs? Da ich mittlerweile im Familienunternehmen arbeitete, war schnell klar: Ich führe den Bürohund bei uns ein. Im Jahre 2005, im produzierenden Gewerbe. Erfreute Gesichter traf ich damals nicht. Aber ich war schon immer ein Dickkopf.

Lis fand dann schnell den Weg zu mir und nach zwei Wochen Eingewöhnungsphase zu Hause nahm ich sie mit ins Büro und es passierte alles, das man sich nicht wünscht: Lis hasste alle Kollegen. Verteidigte mein Büro. Bellte und knurrte. Sie war der lebendig gewordene Höllenhund. Also arbeitete ich anfangs mit einer Box, bis sie nicht mehr ganz so laut und dominant mein Büro beherrschte. Danach war sie am Schreibtisch angebunden, damit sie niemanden aus dem Büro verjagen konnte. Es waren harte Monate, für alle Beteiligten. Doch ich musste durchhalten, denn einen Plan B hatte ich nicht. Und nach ungefähr einem Dreivierteljahr hatten wir dann einen Zustand erreicht, mit dem alle gut leben konnten: Lis lag die meiste Zeit des Tages im Körbchen, ich konnte das Büro ohne Probleme verlassen und meine Kollegen ohne Probleme betreten.

Seitdem ging es stetig aufwärts. Lis hatte auch mal charmante Momente, fand Freunde unter den Kollegen und die Jahre zogen ins Land.

Temporäre Büro- und Firmenhunde

Unter unseren kaufmännischen Angestellten gibt es nicht viele Hundehalter, warum auch immer. So ergab es sich lange Zeit nicht, dass ein weiterer Bürohund dazu kam. Mein Bruder brachte Ab und An seinen Berner Sennenhund mit ins Büro, ein ruhiger Geselle, der höchstens mal durch sein Schnarchen auffiel.

Und dann kam die erste Anfrage aus der Produktion. Ein Angestellter mit Hund hatte keine Möglichkeit mehr, den Hund tagsüber unterzubringen, da seine Frau in eine Kur musste. Also fragte er an, ob es möglich sei, den Hund mitzubringen. Bisher hatten wir es so gehalten, dass es keine besondere Vereinbarung gab. Kollegen wurden mündlich um ihr Einverständnis gebeten, neue Mitarbeiter lernten die Bürohunde schon beim Vorstellungsgespräch kennen. Aber es gab keine schriftliche Vereinbarung, an welche Regeln sich zu halten sei. So entstand unsere erste Vereinbarung zur Mitnahme von Haustieren am Arbeitsplatz: Ein kurzer Abriss über unsere tierfreundliche Arbeitskultur, ein paar Leitlinien und ein Haftungsverzicht. Und es klappte wunderbar! Der Hund benahm sich vorbildlich und alle Beteiligten waren zufrieden. Der Angestellte konnte die Zeit der Kur seiner Frau überbrücken, die Kollegen fühlten sich nicht belästigt und der Hund fühlte sich offensichtlich wohl.

Auch eine Aushilfe in der Produktion bringt ab und an ihren Hund mit. Er liegt dann brav unter dem Arbeitstisch in seinem Körbchen und schläft. Nur mittags dreht er auf: Denn dann darf er mit Charlie durch den Wald flitzen!

Zweithund als Bürohund

2014 wollte ich einen Zweithund zu mir holen. Klar war wieder, dass auch dieser mit ins Büro sollte. Also bezog ich meine Kollegen vorab in die Auswahl ein. Zeigte ihnen Fotos, sprach mit ihnen und bekam ihre Zustimmung. Charlie konnte einziehen und auch ein „Hund mit Job“ werden.

Dieses Mal wollte ich alles richtig machen, territoriales Verhalten direkt unterbinden und Charlie zu einer „zweiten Lis“ machen. Lis ist mittlerweile der perfekte Bürohund. Sie geht morgens in ihr Körbchen neben meinem Schreibtisch, schläft dort bis mittags. Dann gehen wir spazieren und sie schläft wieder bis zum Feierabend. Sie bellt nicht mehr, nur wenn ihr jemand auf die Pelle rückt, knurrt sie ab und an. Sie bleibt liegen, wenn ich das Büro verlasse, egal ob ich fünf Minuten weg bin oder zwei Stunden. Diesen Anspruch hatte ich an Charlie auch. Ohne ihn allerdings vorher gefragt zu haben…

Denn Charlie hatte keine Lust, mit Lis im Büro zu bleiben, wenn ich eben dieses verließ. Er öffnete die Tür der Box, zerbiss in Windeseile mehrere Leinen, mit denen er am Schreibtisch fixiert war. Als ich dann auf eine Lederleine umstieg, zerbiss er eben den Verschluss seines Geschirrs. Und ich verspreche: Ich war maximal 10 Minuten in der Produktion unterwegs! Houdini eben.

Es war offensichtlich: Charlie verstand die Idee des Bürohundes nicht so wie ich. Er wollte lieber ein „Firmenhund“ sein und mich durch das ganze Unternehmen begleiten. So verzichtete ich darauf, ihn in meiner Abwesenheit im Büro lassen zu wollen und ging dazu über, ihn als meinen Schatten zu akzeptieren. Charlie folgt mir bis heute wie ein Schatten nahezu jeden Schritt im Unternehmen. Ich gehe in die Produktion, er läuft bei Fuß mit und findet es toll. Viele Mitarbeiter begrüßen ihn persönlich und freuen sich, wenn ich Charlie erlaube, zu ihnen zu kommen. Andere sind nicht scharf auf einen persönlichen Kontakt, das verstehe ich und Charlie ignoriert diese Mitarbeiter vorbildlich.

Der Bürohund im Großraumbüro

Es gibt Tage, an denen Charlie sich mit mir langweilt. Ich sitze dann meist konzentriert am PC und stehe kaum auf. Meist legt er sich dann vor meine Bürotür, von dort aus kann er dem Treiben im Großraumbüro beiwohnen. Und die Kollegen sehen seine „Not“ des armen, gelangweilten Hundes. Sprechen ihn an, streicheln ihn, haben manchmal ein Leckerchen in der Schreibtisch-Schublade. Dann wird er gerufen, darf Pfötchen geben und kommt glücklich schmatzend zu mir zurück. Manchmal fällt sogar ein Joghurtbecher ab, das sind die bemerkenswerten Tage. Und so hat es sich mit der Zeit ergeben, dass Charlie auch mal stundenweise ohne mich im Großraumbüro verweilt. Ich arbeite, er liegt bei den anderen und genießt es, mittendrin zu sein. Eine Konstellation, die besser nicht sein könnte. Ich habe wunderbare Kollegen, die tolerant und einfach klasse sind!

Damit sich das nicht so schnell ändert, werden neue Mitarbeiter darüber aufgeklärt, dass in unserem Unternehmen Bürohunde „betriebliche Übung“ sind und akzeptiert werden müssen, so lange nicht gesundheitliche Gründe dagegen sprechen. Und bisher klappt es gut. So gut, dass nun endlich, 13 Jahre nach Lis als Bürohund-Pionier, ein weiterer Hund seinen Weg zu uns gefunden hat.

Neue Mitarbeiter mit Hund und eine Vereinbarung

Wir haben eine neue Angestellte im kaufmännischen Bereich, die ebenso im Vorstellungsgespräch Charlie kennen lernte und von ihrem eigenen Hund erzählte. Schnell war klar: Der Hund kommt auch mit ins Büro! Nicht jeden Tag, da an einigen Tagen der Hund anderweitig versorgt ist, aber an zwei bis drei Tagen in der Woche. Die beiden Kollegen, mit denen die neue Mitarbeiterin das Büro teilen sollte, wurden informiert und bekundeten keine Einwände. Ich aktualisierte unsere „Vereinbarung zum Tier am Arbeitsplatz“ und diese wurde schriftlich festgehalten.

Unsere Vereinbarung enthält einige grundsätzliche Regelungen, dass das Tier gut erzogen und sozial umgänglich sein sollte. Ein paar Punkte zur Reinlichkeit, zur Gesundheit und zum Umgang mit Krankheiten und Parasiten. Die Räume, die durch Hunde nicht zu betreten sind (Toilette, Küche, Serverraum usw.) werden genannt und ein Haftungsverzicht vereinbart. Eigentlich eine Erweiterung dessen, was jeder verantwortungsvolle Hundehalter lebt.

Ressourcen und Sympathien

Der Tag, an dem der neue Bürohund auf Charlie und Lis trifft, war spannend. Die neue Kollegin hatte mich per Nachricht informiert, dass ihre Hündin an diesem Tag dabei sei. Also führte ich Charlie und Lis an diesem Tag angeleint ins Büro, um maximale Kontrolle zu haben. Beide nahmen wahr, dass ein anderer Hund anwesend sein musste, gingen aber mit mir in mein Büro und legten sich dort ab. Denn wir wollten den ersten persönlichen Kontakt eigentlich in der Pause gestalten. Wollten. Denn es ergab sich, dass ich telefonierte und die neue Mitarbeiterin samt Hund an meinem Büro vorbei ging. Meine Türe stand natürlich offen. Charlie sprang auf und sah es als seine Pflicht, die neue vierbeinige Mitarbeiterin persönlich willkommen zu heißen. Mit seinem ganzen Charme und Esprit. Zum Glück, denn diese Hundedame ist auch eher dominant und wollte ihn für einen Sekundenbruchteil in die Schranken weisen, bevor sie seinem Charme erlag. So fand der Erstkontakt völlig ohne menschlichen Einfluss statt und führte zu einem friedlichen Miteinander.

Lis blieb zum Glück liegen und entschied, die andere Hündin einfach zu ignorieren. Und so halten es die Damen bis heute: Gegenseitige Ignoranz. Wahrscheinlich die beste Lösung, denn sie scheinen vom gleichen Schlag. Und so lautet die Vereinbarung: „Halte Dich aus meinem Büro fern, dann lasse ich Dich auch in Ruhe.“ Sie sind sich nicht sympathisch, solange ihre Ressourcen aber nicht gefährdet sind, herrscht Burgfrieden. Ein durchaus gangbarer Zustand.

Bürohunde sind nicht immer „eitel Sonnenschein“

Mal ganz ehrlich, ich habe verdammtes Glück. Tolerante Kollegen, eine gute Arbeitsatmosphäre und nun eine Hundehalterin als Kollegin, die ebenso verantwortungsvoll mit ihrem Hund umgeht und weiß, werden wir nachlässig, werden die beiden Hündinnen aneinander geraten.

Doch nun bin ich, die Person, die Bürohunde bei uns einführte und etablierte, in der Lage, dass ich keinen Draht zu dem Neuzugang habe. Die Hündin ist lieb und nett, gut erzogen. Aber sie „liegt mir einfach nicht“. Ich kann es nicht begründen, aber es hat zwischen uns nicht gefunkt. Ich kann mir also vorstellen, wie es für einen Mitarbeiter ist, wenn er mit dem Bürohund nichts anfangen kann. Komische Situation. Ich bin gerade Befürworter und Kritiker in Personalunion. Ich freu mich, dass wir einen weiteren Hund im Büro haben, diese Kultur wirklich leben. Und ich finde es spannend zu erleben, dass ausgerechnet ich nun Toleranz üben muss. Schauen muss, dass diese Hündin und Lis keinen Streit anfangen. Damit umgehen muss, dass weder ich einen Impuls habe, diese Hündin näher kennen zu lernen, noch sie Kontakt zu mir aufnehmen möchte.

Das ist wahrscheinlich Alltag im Leben mit Bürohunden. Es läuft nicht immer vorbildlich und märchenhaft, nicht immer sind die Sympathien gleich zu 100% vorhanden. Doch irgendwie finde ich auch diese Erfahrung gut! Denn ich kann mich nun in jemanden hinein versetzen, bei dem der Bürohund keine Emotionen auslöst, der ihn akzeptiert und respektiert, aber keinen direkten Bezug zu ihm hat.

Bin ich deshalb pauschal auf einmal gegen Bürohunde, die nicht Charlie oder Lis heißen? Nein. Denn die Mitarbeiterin ist zufrieden, dass ihr Hund dabei sein darf. Der Hund ist gut erzogen und integriert sich super in das Büro. Die Kollegen kommen mit ihm zurecht. Faktisch betrachtet läuft alles vorbildlich, nur dass ich eben keinen Draht zu dem Hund habe. Ein Faktor, den ich vernachlässigenswert finde. Man muss sich im Leben mit vielen Dingen arrangieren und so lange keine gesundheitlichen Aspekte gegen Hunde im Büro sprechen, werde ich immer ein Befürworter bleiben.

 

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