Bei uns ist es ruhig geworden in der letzten Zeit. Die DSGVO samt ihrer technischen Hürden und das Leben haben mich davon abgehalten, in Ruhe zu schreiben. Es fehlt an Zeit, aber auch an Motivation. Ich fühle mich derzeit eher antriebslos, als wäre mir die Luft ausgegangen. Zeit mit lieben Menschen und den Hunden wird immer wichtiger, weil ich daraus Kraft schöpfe. Zumindest für kurze Zeit. Ich wünschte, ich wäre in einigen Punkten mehr wie Charlie und Lis, das würde vielleicht ein paar Dinge vereinfachen.

Lis ist stoisch und beharrlich                                          

Lis ist unerschütterlich. Wenn Sie etwas möchte, setzt sie es durch. Sie schafft es sogar, einen großen starken Mann davon zu überzeugen, dass sie genau an diesem einen Grashalm dort hinten nun schnüffeln muss und er ihr zwangsweise folgen muss, da er das Ende der Leine nicht loslässt. Sie legt sich dann auf eine ganz besondere Weise in die Leine, die keinen Widerspruch duldet. Nicht aggressiv, nicht aufdringlich, nur unerbittlich. Sie übt permanenten Druck aus und bekommt dadurch locker das 10-fache ihres Körpergewichts bewegt. Leise und konsequent.

Und dann hat sie diesen unfassbaren Blick auf Lager. Der liegt irgendwo zwischen Gehirnwäsche und Hypnose. Den setzt sie ein, wenn sie nicht in der Lage ist, uns über die Leine ihre Wünsche zu kommunizieren.

Zum Einsatz kommt dieser Blick sehr häufig auf dem Balkon, wenn Lis auf dem Sofa in der Sonne liegt. Sie ist durchaus in der Lage, selbstständig auf das Sofa zu springen. Sehr elegant, ohne große Mühen. Man merkt ihr dann das Alter nicht an. Jedoch gibt es Tage, an denen sie sich weigert, vom Sofa herab zu springen. Dann stellt sie sich an den Rand und guckt. Mit diesem Blick. Der sagt: „Würdest Du Deiner Verpflichtung nachkommen und mich vom Sofa heben? Um Deine Fürsorge war es auch mal besser bestellt, da hast Du Dich ohne Aufforderung gekümmert.“

Madame steht also auf, streckt sich und stellt sich an den Rand des Sofas. Ich räume derweil Dinge vom Tisch nach drinnen und versuche, nicht unter ihrem Blick zusammen zu brechen. Vergeblich. Sobald ich auch nur in ihre Richtung schaue, wird es ganz perfide: Sie hebt dann sehr elegant eine Vorderpfote leicht an, damit ich besser mit der Hand unter ihren Bauch greifen und sie hochheben kann. Während sie mich anstarrt. Ein paar Meter von mir entfernt steht ein vorwurfsvoll schauender Hund auf dem Sofa, hebt die Vorderpfote und erteilt schweigend Befehle. Und ich kann mich nicht widersetzen. Also gehe ich zu ihr, hebe sie hinab und komme ihrem Befehl nach. Weil sie sonst wahrscheinlich stundenlang in dieser Haltung verharren würde. Starrend.

Ich wünsche mir diese unerschütterliche Ruhe. Diese stoische Durchsetzungskraft. Diese Ausstrahlung „Wir machen es so wie ich will oder wir machen es eben nicht!“.

Beruflich bin ich seit nunmehr einem Jahr sehr angespannt. Und ich scheitere daran, dass ich nicht so stoisch wie Lis bin. Ein Projekt scheitert wahrscheinlich, weil mein Gegenüber stoischer ist als ich. Und ich habe wirklich alles versucht. Ich habe eine systemische Aufstellung gemacht und sogar einen Mediator eingeschaltet. Doch selbst der scheitert derzeit daran, dass unser betrieblicher Konfliktauslöser stoischer ist als wir alle zusammen. Mir geht die Luft aus und ich möchte einfach nur so sein wie Lis. Bestimmend, stoisch und über allem stehend.

Charlie lässt sich nicht die gute Laune nehmen

Charlies Regenerationszeit liegt bei gefühlten 3 Sekunden. Er hat ein negatives Erlebnis, schüttelt sich und die Welt ist wieder in Ordnung. Er läuft vor ein Hindernis? Schütteln und weitermachen, ungebremst in Tempo und Enthusiasmus. Er hat eine negative Hundebegegnung? Schütteln, ein Stückchen laufen und die Welt passt wieder. Er trifft einen zweibeinigen Idioten? Schütteln und nach netten Menschen Ausschau halten.

Ich bin fasziniert von dieser Gabe Charlies. Er zittert stundenlang, weil ein schweres Gewitter nachts über uns hinwegrollt. Doch sobald das Gewitter vorbei ist und der Himmel aufklart, ist Charlie wieder bei 100% guter Laune. Unmittelbar. Er braucht keine Pause, keine Erholung. Schaltet sofort um.

Er wird im Wald von einem wirklich imposanten Dobermann bedroht. Zieht den Kopf ein, zeigt sich unterwürfig und kann sich dem Konflikt entziehen. 3 Sekunden später schüttelt er sich, legt einen kurzen Sprint zum Stressabbau ein und ist wieder ganz der Alte. Der Dobermann ist noch nicht außer Sichtweite, aber Charlie wieder der Pausenclown.

Ich bin, das gebe ich zu, neidisch auf diese Fähigkeit. Ich trage Konflikte immer einige Zeit mit mir herum, sie belasten mich. Vielleicht schüttele ich mich nicht genug, denn so schnell wie Charlie regeneriere ich noch lange nicht.

Meine Hunde als Beispiele und Quelle der Kraft

Ich versuche wirklich, mir ein Beispiel an Charlies und Lis Verhalten zu nehmen, mir ein Stück Ihrer Verhaltensweisen anzueignen. Ich kann nur davon profitieren, denn im Moment geht mir wirklich die Luft aus. Ich merke, dass ich keine Lust mehr habe, das Türmchen aufzubauen, wenn jemand anderes es kurz danach mit dem Hintern umstößt. Und ich denke darüber nach, wie Charlie und Lis damit umgehen würden. Bei Lis bin ich mir sicher: Sie würde sich einfach auf die Trümmer legen. Mittendrauf. Und vorwurfsvoll gucken.

Charlie würde hingegen ein Trümmerteil klauen und losrennen. Es stolz mit sich tragen, weitgreifend im Kreis laufen und dämlich grinsen. Das Beste aus der Situation machen.

Die Beiden geben mir im Moment viel Kraft und Ruhe. Sie sind einfach da. So wie sie sind. Zu Hause und im Büro. Und ich kann versuchen, ein wenig so zu sein wie sie. Dann wird es vielleicht nicht besser, aber leichter. Und dann habe ich auch wieder die Motivation zu schreiben, Dinge anzugehen und zu verändern. Bis dahin schaue ich den Zweien weiter zu, wie sie mich und das Umfeld beherrschen und das Beste aus dem Leben machen. Glücklich sind. Mit Allem zurechtkommen und dabei auch noch die Zeit finden, mich zum Lachen zu bringen, mich zufrieden zu machen. Meine Zwei sind für mich die perfekten Hunde. Auch wenn Lis ein Terrorist ist und Charlie ein Hans-Guck-in-die-Luft. Oder vielleicht genau deshalb.

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