Nachdem Lis zwei heftige Krampfanfälle hatte, habe ich natürlich alle Hebel in Bewegung gesetzt, um die Ursache zu finden und bekämpfen zu können. Die letzte Woche war geprägt von Gesprächen, Tierarzt-Besuchen, Recherchen und Sorgen. Zum Glück ist Lis mittlerweile stabil und hatte bisher (*Klopf auf Holz*) nur kleinere Anfälle. Die mit Sicherheit nicht schön für sie sind, aber von außen betrachtet einen erträglichen Eindruck machen.

Der komplette Check-up bei unserem Tierarzt

Nach unserem nicht nachahmenswerten nächtlichen Besuch in der Tierklinik war ich natürlich montags bei unserem Tierarzt völlig nervös. War Lis wirklich ein Fall für die Euthanasie? Waren ihre Krampfanfälle und Beschwerden wirklich so schlimm, dass ihr Leben nicht mehr lebenswert war? Die Lösung: Nein.

Unser Tierarzt, völlig tiefenentspannt, schaute sich Lis an, streichelte sie, hörte ihr Herz ab und entschied: „Die ist noch nicht so weit.“ Ein Felsbrocken der Erleichterung fiel mir vom Herzen und meinem Lebensgefährten auch, der uns mit Charlie begleitet hatte.

Unser TA entschied, als erstes ein großes Blutbild machen zu wollen, die Ergebnisse würde das Labor noch abends liefern. Also zapften wir Lis ein paar Ampullen Blut ab. Charlie umgarnte derweil die Sprechstundenhilfe, die ihn prompt mit Leckerchen fütterte. Glücklicher Hund, glückliche Helferin. Bei unseren TA-Besuchen ist es meist so, dass die Sprechstundenhilfe sich um meinen zweiten Hund kümmert, während ich bei der Behandlung „assistiere“. So kann ich Charlie oder Lis selber auf dem Tisch halten und vermittele ihnen das Gefühl, dass ich sie nicht alleine lasse. Das ist für alle Beteiligten wichtig, so empfinde ich es zumindest.

Das Blutbild

Vorneweg: Lis ist in einem ihrem Alter angemessenen guten Zustand.

Wir fertigten ein großes Blutbild an, das Ergebnis ist bis auf eine leichte Schilddrüsenunterfunktion, eine Retikulozytose ohne Anämie und erhöhte Leberwerte für einen Hund in Lis Alter sehr gut.

Wir entschieden uns deshalb ab Dienstag für eine Medikation mit Barbituraten, um die Auswirkungen von ggf. auftretenden weiteren Anfällen abzumildern.

Die Leberwerte in Kombination mit den Retikulozyten und den Anfällen hielt unser Tierarzt Frank allerdings für überprüfenswert und schlug vor, ein Röntgen und ein Ultraschall durchzuführen.

Da er Lis keine Narkose zumuten wollte, beschlossen wir, diese Untersuchungen Freitag durchzuführen, nachmittags erwartete er Ruhe in der Praxis und die Zeit, Lis ohne Betäubung zu untersuchen.

Röntgen und Schallen

Da waren wir drei nun, Lis, Charlie und ich. Vor der Tierarzt-Praxis und ich traute mich nicht rein. Ich hatte mir fest vorgenommen, dass ich Lis bei einem Tumorbefund erlösen lassen würde. Sollte es an Leber oder anderen inneren Organen einen Tumor geben, würde ich Lis ziehen lassen. Denn nach so einem Befund wird das Leben ja meist nicht mehr schöner. Eine weitere Zigarette vor der Türe, schnell noch einen Kuss auf Lis‘ Kopf, Augen zu und durch. Zum Glück konnten wir direkt in den Behandlungsraum und mussten nicht mehr im Wartezimmer warten.

Frank war gut gelaunt und meinte, er würde Lis im Nebenzimmer schnell alleine röntgen. Oha. Er kennt Lis von Anfang an, hat beide Kreuzbandrisse bei ihr operiert, sie in Narkose gelegt und geweckt und auch schon mehrfach in den Armen gehalten. Aber da stand sie immer unter Medikamenten! Er war aber zuversichtlich und meinte, ich solle lieber bei Charlie bleiben, der sei so nervös, wenn ich ihn nun alleine ließe, würde er das bestimmt nicht lustig finden. Ok, Charlies Nervosität gegen Lis‘ unerschütterliches Gemüt auszuspielen war nicht fair. Aber unser TA kennt mich gut und vor allem meine Trigger-Punkte. Und bevor ich mich versah, war er mit Lis im Nebenraum. Es dauerte keine 3 Minuten, in denen ich weder Knurren noch Schreie hörte und Frank und Lis kamen zurück. Frank hatte noch alle Finger, Lis noch gute Laune. Perfekt!

Befund Röntgen: Eine vergrößerte Leber, aber kein sichtbarer Tumor. Atypische Verdichtung von Gewebe an der Luftröhre bzw. Lunge, das löst aber keinen Krampfanfall aus.

Unter diesen Umständen meinte Frank, dass ein Ultraschall nicht zwingend nötig sei und nur dazu diene, kleinere Tumore ausschließen zu könne, die man auf einem Röntgenbild eventuell nicht sieht.

Ich wollte aber ein Ultraschall. Und zwar komplett. Also musste Lis der Bauch rasiert werden. Ich hielt sie auf dem Arm und die Sprechstundenhilfe legte los. Lis völlig entspannt, ein elektrischer Rasierer bringt sie doch nicht aus der Ruhe! Ganz anders Charlie: Der hörte das Geräusch und war fertig mit dieser Welt. Sabbernd stand er daneben und dachte wahrscheinlich, dass wir Lis zerlegen. Frank sprang ein und lenkte Charlie mit Ansprache und ein wenig Unfug ab. Charlie durfte auf die Waage, wurde gekrault und geherzt bis Lis nackig war. Bemerkenswert ist: Wenn ich Charlie wiege, sage ich immer: „So, jetzt geh mal auf die Waage, Wiege, Woge.“ Bescheuert, aber ist so. Noch bescheuerter: Mein geliebter TA Frank sagte zu Charlie: „So, jetzt geh mal auf die Waage, Wiege, Woge.“ Wo könnten wir besser aufgehoben sein als hier?

Befund Ultraschall: Ohne Befund der inneren Organe. Blase, Milz, Leber, Niere, Darm – alles in Ordnung.

Und nun?

Damit können wir festhalten: Es scheint kein Tumor Auslöser für Lis‘ Zustände zu sein. Es „scheint“, da wir nicht im Hirn nachgeschaut haben. Frank macht kein MRT und es ist fraglich, ob ich Lis in eine Klinik zum MRT bringe, da ich ihr die Narkose auch nicht mehr zumuten möchte.

Wir haben derzeit keinen Befund. Das ist positiv, weil es auch keinen todbringenden Befund gibt. Nicht ganz so positiv ist, dass Lis weiterhin krampft. Wir schauen nun, dass sie mit den Barbituraten gut zurecht kommt, unterstützen mit alternativen Methoden und genießen jeden Tag. Und wer weiß, vielleicht helfen Lis‘ heißgeliebte Käsetortellini und Gorgonzola ja auch…

Sollte jemand von Euch eine bahnbrechende Idee haben, welche Untersuchung wir noch anstreben können oder wie ich Lis entlasten kann, immer her damit. Ich freue mich über jeden Anruf, jede Mail und jeden Hinweis!

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