Vor kurzem habe ich darüber berichtet, wie ich Charlie auf einen Tierarzt-Besuch vorbereite. Aus gutem Grund, denn der Termin in einer Tieraugenpraxis war schon gebucht. Ich wollte eine Status-Ermittlung zur Charlies Progressiver Retina Atrophie und seine Augen nochmals fachkundig prüfen lassen. In dieser Woche fand der langfristig geplante Termine nun statt und brachte für mich gute Erkenntnisse.

Die Tieraugenpraxis

Über einen Kooperationsartikel zum Thema „Blinder Hund“ wurde ich auf Dr. Birgit Lohmann aufmerksam, eine Tierärztin, die sich auf Augenheilkunde spezialisiert hat. Da unsere einzige Untersuchung bei einem Spezialisten Ende 2016 war, bei dem Charlies PRA diagnostiziert wurde, wollte ich gerne nochmal eine weitere Meinung einholen. Charlies Netzhaut untersuchen lassen, eine Einschätzung zu seinen Sehfähigkeiten erhalten und prüfen lassen, ob es schon Anzeichen für die typischen Folgeerkrankungen Grauer Star und Grüner Star gibt. Unser Haustierarzt schaut sich Charlies Augen zwar auch immer sehr genau an, hat aber von der Ausstattung her weniger Möglichkeiten.

Die Tieraugenpraxis liegt in der Nähe von Frankfurt am Main, für uns gute eineinhalb Stunden Fahrt. Eine Fahrt, die ich zu keinem Zeitpunkt bereut habe!
Die Praxis selber ist eher klein und überhaupt nicht mit der Klinik, in der wir zu Diagnose waren, zu vergleichen. Es gibt einen angenehmen Wartebereich, ausgesprochen nettes, liebevolles Personal und eine sehr individuelle Betreuung. Nicht auch nur ein Anflug von „Massenabfertigung“. Frau. Dr. Lohmann und ihre anwesende Kollegin waren warmherzig, geduldig und überaus kompetent, wir haben uns die ganze Zeit wohl gefühlt.

Im Wartezimmer

Bevor wir in die Praxis gingen, drehten wir noch eine kleine Runde in einem anliegenden Wald. Ich gebe gerne den Hunden vorher die Möglichkeit, sich nochmals zu lösen und ein wenig die Beine zu vertreten, so haben wir alle eine entspannte Haltung, wenn es losgeht.
Im Wartezimmer waren außer uns zwei weitere Patienten, auf zwei anwesende Ärzte verteilt, also angenehm kurze Wartezeiten und unser Termin fand pünktlich statt.

Nachdem ich Charlie und mich angemeldet hatte, setzten wir uns zu den anderen ins Wartezimmer. Charlie legt sich mittlerweile freiwillig ab, sobald ich mich setze, das macht es sehr angenehm für alle Beteiligten. Ich muss ihm keine Kommandos geben und sorge nicht für Unruhe im Wartebereich. Auch die anderen Hunde waren entspannt und zeigten kein Interesse aneinander, für mich eine wichtige Voraussetzung. Würden die Hunde sich untereinander Stress bereiten – ob positiv oder negativ – würde ich den Wartebereich verlassen und vor der Türe warten. Eine entspannte Grundhaltung ist für mich maßgeblich beim Tierarztbesuch.

Vorstellung bei der Ärztin

Nach einer wirklich kurzen Wartezeit durften wir ins Behandlungszimmer. Frau Dr. Lohmann empfing uns sehr warm und begrüßte Charlie sehr zugewandt. Erst nach dieser Begrüßung sollte ich ihn auf den Behandlungstisch heben. Dort durfte er erst mal entspannt sitzen, während ich seine Krankengeschichte ausführen sollte. Seit wann ist die Diagnose bekannt? Wie gut sieht er meiner Meinung nach noch?
Dann näherte sich die Ärztin Charlie sehr behutsam und schaute sich seine Augen an. Ich hielt derweil seinen Kopf fest, wie wir es zum Glück schon oft geübt haben. Er ließ alles locker über sich ergehen und es störte ihn überhaupt nicht, dass eine „Fremde“ seine Augen berührte. Dann bekam Charlie Augentropfen (Pupillen-erweiternd und ein wenig betäubend), die vor der eigentlichen Augenuntersuchung erst wirken mussten. Also gingen wir wieder ins Wartezimmer und ließen die Wirkung eintreten.

Die Untersuchung der Augen

Im ersten Schritt wurde geprüft, ob die Netzhaut noch durchblutet wird oder eben nicht mehr. Eindeutige Antwort: Keine Durchblutung mehr. Das bedeutet, dass Charlie überhaupt nichts mehr sieht. Ich hatte Charlies Restsehkraft eigentlich so auf 10% geschätzt, ich dachte wirklich, er sieht manchmal noch Schatten. Dem ist definitiv nicht so. Umso erstaunter bin ich, wie gut er zurechtkommt. Wenn selbst ich, die ständig mit ihm zusammen ist, nicht fassen kann, dass er überhaupt nichts mehr sieht! Er lebt in der „Rabenschwarzen Nacht“! Für mich unfassbar. Diese Untersuchung dauerte nur wenige Minuten, Charlie lag sehr entspannt auf dem Untersuchungstisch, ich hielt ihn an den Schultern fest, die zweite anwesende Tierärztin fixierte den Kopf und Frau Dr. Lohmann führte die Untersuchung durch. Charlie zuckte dabei noch nicht mal.

Die zweite Untersuchung war bildgebend, hier wird geschaut, ob Grauer oder Grüner Star auf der Linse zu erkennen sind. Der Graue Star führt zu einer Linsentrübung, die bei einem blinden Hund allerdings keine Auswirkungen hat.
Der Grüne Star führt irgendwann zu Schmerzen, da der Augeninnendruck sich erhöht und muss dann behandelt werden.
Diese Untersuchung dauerte etwas länger, hierbei wird ein Gerät ganz nah an das Auge geführt und es werden Aufnahmen des Auges gemacht. Der Hund sollte sich dabei nach Möglichkeit nicht bewegen. Charlie machte auch diese Untersuchung mit Bravour mit und ließ sie sogar zweimal über sich ergehen, da die zweite Ärztin auch nochmal einen Blick auf seine Augen warf. Er machte keinerlei Anstalten, sich zu entziehen und nur einmal mussten wir seine Position etwas verändern, da er zu weit von der Tischkante und damit von dem Aufnahme-Gerät entfernt war.

Charlies rechtes Auge. Hier kann man oben (Wolken-artig) den grauen Star sehen.

Am Ende der Untersuchung sollte es Leckerchen geben, die Charlie aber verschmähte. Er wird lieber gelobt und geherzt und das bekam er dann auch. Ich hob ihn vom Tisch herunter und wir machten eine kurze „Tobe-Einheit“, bei der ich ihn von oben bis unten durchknuddele und auch ein wenig anrempele, damit er sich bewegt und entspannt. Er fängt dann freudig wedelnd an zu hüpfen, rempelt zurück und ist sofort ein einer freudigen Haltung. Frau Dr. Lohmann hatte wahrscheinlich Spaß an uns beiden Irren, wie wir in ihrem Behandlungszimmer rangelten. Nach dieser kurzen Entspannungssequenz erklärte sie uns anhand der Bilder die Ergebnisse und streichelte derweil Charlie die ganze Zeit. So stelle ich mir wirklich einen Besuch beim Tierarzt vor!

Die Prognose

PRA im Endstadium bedeutet neben der totalen Erblindung auch, dass nun nur noch regelmäßig geprüft werden muss, ob eine Erkrankung am Star vorliegt.
Wie man an Charlies Augen sehen kann, ist eine Erkrankung am Grauen Star bereits vorhanden, diese liegt derzeit bei ca. 1%. Charlie hat dadurch keine Nachteile oder Schmerzen. Jedoch sollte ungefähr jährlich geprüft werden, wie weit diese Erkrankung fortschreitet und auch ob Grüner Star eingetreten ist. Dies kann man wieder durch die bildgebende Untersuchung feststellen.

Für mich ist einfach wichtig zu wissen, dass Charlie derzeit keine Schmerzen hat und dass ich „ausreichend“ Maßnahmen ergreife, um seinen Gesundheitszustand zu erhalten.
Außerdem bin ich sehr dankbar, dass wir diese Praxis und ihr Team kennen lernen durften, wir fühlten uns hier besser aufgenommen als in der Tierklinik und werden mit Sicherheit im nächsten Jahr zu Untersuchung wieder dorthin fahren.

Dieser Beitrag entstand in Kooperation mit der AGILA Haustierversicherung, ich danke für die angenehme Zusammenarbeit.

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