Canicross. Ein Geländelauf, bei dem Mensch und Hund mit einer Leine verbunden sind und offroad laufen. Klingt für mich anstrengend, schon beim Lesen. Die Idee, das mit einem blinden Hund zu machen, ist wahrscheinlich purer Wahnsinn. Und deshalb passt es so gut zu mir und Charlie…

Blinde Hunde können alles!

Dass Charlie alles kann, was ein sehender Hund kann, behaupte ich immer wieder. In den letzten Wochen hatten wir im Unternehmen einen räumlichen Umbau, unsere Büros ziehen um. Mindestens einmal am Tag war ich auf der Baustelle, auch im Rohbauzustand. Und wer war natürlich mittendrin? Charlie! Lag eine Bohle oder Schiene vom Trockenbauer im Weg, habe ich sie kurz mit dem Fuß angestupst und „Vorsicht!“ gesagt, damit Charlie das Hindernis wahrnimmt. Ein paar der Bauarbeiter glauben bis heute nicht, dass Charlie blind ist, weil er sich vollkommen selbstverständlich bewegt hat.

Beflügelt von dieser guten Erfahrung habe ich also angefangen zu überlegen, welcher Herausforderung Charlie und ich uns stellen können. Angestiftet von Stephie vom The Pell-Mell Pack und Kerstin von Buddy schreibt habe ich dann angefangen, mich mit Canicross auseinander zu setzen. Cooler Sport, ich bewundere diese Teams. Nicht nur für ihre Kondition (Meine ist derzeit erbärmlich!), sondern auch für die tolle Zusammenarbeit zwischen Mensch und Hund.

Was kann das faule Ende der Leine?

Ich bin kein Sportler. Wandern und gehen? Klar, wegen der Hunde.

Laufen? Niemals. So lautete meine Antwort bis vergangenen Samstag.

Stephie hatte mir mittlerweile Trainingspläne zugeschickt, eine Gruppe gegründet, der ich hinzugefügt wurde und ein Team für Camp Canis in Wingst 2019 angemeldet. Kerstin hatte zugesagt, mit Charlie und mir das Ziehen zu üben und mich auf dieser Ebene zu unterstützen. Außerdem gründete Kerstin ein Handicap-Team für Camp Canis Hoope im März 2019 und fügte mich auch der Gruppe hinzu. Natürlich alles unverbindlich!

Klar, faule Enden der Leine brauchen Druck. Ich besonders. Zwei Geländelaufe, zwei tolle Teams und ich war völlig hin und her gerissen. Nicht etwa zwischen den Teams, nein, zwischen „Ich raffe mich auf“ und „Ich verstecke mich hinter Charlies Blindheit“.

Samstag bin ich dann – auch dank des Lieblingsmannes – über meinen Schatten gesprungen und das erste Mal laut Trainingsplan gelaufen. Und ich habe es überlebt. Zudem hatte Charlie einen riesigen Spaß und lief wie am Schnürchen hinter mir her.

Montag war unsere folgende Trainingseinheit und auch diese habe ich eingehalten. (Ich bin von mir überrascht.)

Jetzt hängen wir drin!

Ich brauche Druck von außen. Zumindest, was Sport angeht. Ich bin ein sehr kontrollierter Mensch, ehrgeizig und zielstrebig. Immer gut organisiert. Aber all das, was mich im beruflichen und privaten Alltag auszeichnet, ist vergessen, sobald es um Sport geht. Da setzen meine Gewohnheiten aus.

Um den Druck zu erhöhen, habe ich also Fotos von unserem ersten Training gepostet. In beiden Gruppen erzählt, dass ich gelaufen bin. Und ich habe Tickets für beide Camps gekauft. Es gibt also keinen Weg zurück!

Kann Charlie ziehen?

Die große Frage überhaupt. Und ich habe keine Antwort. Mein derzeitiges Trainingsziel lautet erst einmal, Charlie und insbesondere mich ans Laufen zu gewöhnen. Ich möchte in den nächsten acht Wochen fünf Kilometer am Stück laufen können ohne danach ein Sauerstoffzelt zu benötigen. Und Charlie an mein neues Tempo gewöhnen. Dabei wird er entweder im Freilauf oder an der Leine neben mir sein.

Das Zuggeschirr und das Ziehen sind dann die nächsten Schritte. Hier erhoffe ich mir von Kerstin entsprechende Anleitung und Begleitung. Und wenn Charlie zieht, ist es super. Falls er nicht zieht, läuft er halt neben mir. Die Hauptsache ist, dass er Spaß dabei hat!

Was erwarte ich?

Ich hoffe einfach, dass Charlie und ich eine gemeinsame Aufgabe finden, die uns beiden Spaß macht. Charlie ist ein Hund, der hohes Tempo mag und deutlich sportlicher ist, als ich es bin. Ich denke, mit mir gemeinsam zu laufen wird für ihn die richtige Beschäftigung sein. Und die Vorstellung, dass er nicht nur alleine durch Wasser und Schlamm springt, sondern ich ihn demnächst dabei begleite, gefällt mir. Das könnte uns als Team nochmals verändern.

Toll wäre es natürlich, wenn Charlie zieht und vor mir läuft. Dann könnte er auch mal „Verantwortung“ übernehmen. Charlie überlässt sich aufgrund der Blindheit gerne meiner Führung, das wird sich auch nie ändern. Wenn er aber unter meiner Führung vorne läuft, könnte das sein Selbstbewusstsein stärken. So hoffe ich zumindest.

Was ich aber definitiv erwarte, ist Spaß mit Charlie! Und den anderen Mitgliedern der Teams. Ich denke, wir werden uns viel austauschen, viel Dreck fressen und eben so viel Lachen.

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