Medizinisches Marihuana, Cannabis oder CBD – davon haben die meisten schon gehört. Ich hatte die vage Idee, dass es bei Menschen in der Krebstherapie, bei Schmerzen und palliativ eingesetzt wird. Dass es auch bei Hunden eingesetzt werden kann, war mir bis vor kurzem völlig neu und wie vielfältig die Behandlungsansätze sind, hat mich überrascht! Und so hat es sich ergeben, dass ich seit zwei Wochen CBD-Öl bei Lis anwende.

Lis gesundheitliche Vorgeschichte

Lis lebt seit 2005 bei mir, als sie zu mir kam, war sie schon adult, also sicherlich 1,5 bis 2 Jahre alt. Genau kann man das bei Straßenhunden ja leider nicht sagen. Generell erfreute sich Lis immer einer soliden Gesundheit, ich kann mich nicht erinnern, dass sie jemals ernsthaft krank war (extern verursachte Verletzungen ausgenommen). Doch mit dem Alter zogen die ersten Probleme ein und seitdem hat sich Lis Gesundheit rapide verändert.

Es begann mit 2 Kreuzbandrissen, an und für sich nicht schlimm, diese wurden operiert und sind heute die Ursache für eine verstärkte Arthrose. Diese Arthrose bereitet ihr seit gut drei Jahren Probleme, bei nassem und kalten Wetter geht sie steif, hat manchmal sichtbar Schmerzen und ist insgesamt nicht mehr so agil.

In 2017 hatte Lis dann einen Schlaganfall, zuerst dachten wir an das Vestibular-Syndrom, was leider dann doch nicht die Wurzel der Probleme war. Und seit diesem Anfall wurde es beständig schlechter. Ein zweiter Anfall folgte, ihre Mobilität ließ stark nach, sie war oftmals orientierungslos und wirkte verwirrt. Sie wurde zu einem richtig alten Hund mit vielerlei Altersproblemen. Die Nierenwerte waren schlecht, Galle und Bauchspeicheldrüse auffällig. Ich habe zu diesem Zeitpunkt nach Rücksprache mit meinem Tierarzt alle Medikamente abgesetzt, damit der Körper sich entgiften kann und ausschließlich Homöopathie angewendet. Carolin, unsere alternative Tiermedizinerin, unterstützt uns schon seit Jahren und unser Tierarzt ist diesem Vorgehen zum Glück nicht abgeneigt.

Dadurch erreichten wir bei Lis eine vorübergehende Stabilisierung bis zum Herbst 2018, dann bekam sie die ersten heftigen epileptischen Anfälle. Diese Anfälle waren begleitet von vorübergehender Blindheit, Orientierungslosigkeit, tonischen Krämpfen und diversen Verletzungen, die Lis sich und mir während der Anfälle zugefügt hat. Die ersten Anfälle waren so heftig, dass eine Tierklinik im Notdienst Lis einschläfern wollte.

Neben einer homöopathischen Behandlung entschied ich mich für die Behandlung dieser Anfälle mit Barbituraten, wir nutzen das Phenobarbital Luminal, bekannt als Luminaletten. Hier war es schwierig für uns, die richtige Dosierung zu „erarbeiten“.

Zu viel Luminal macht schläfrig und betäubt nahezu, zu wenig wirkt nicht gegen die Anfälle. Ich habe mit ganzen, halben und geviertelten Tabletten getestet, unter welcher Menge es Lis am besten geht und hatte gefühlt einen guten Status erreicht. Bis die Anfälle zurückkamen. Wieder ganz heftig, es war furchtbar mitanzusehen. Nicht nur die kleinen Zuckungen mit Zähneklappern, sondern die großen Anfälle, bei denen Lis schäumt, Urin und Kot absetzt, sich selber auf die Zunge beißt und völlig absent ist. Bis sie sich vom letzten Anfall erholt hat und wieder ansprechbar war, dauerte es fast zwei Stunden. Unerträglich für sie und unerträglich für mich.

Welche Behandlung kann ihr noch helfen?

Nach diesem erneuten großen Anfall war auch mein Tierarzt etwas ratlos. Erhöhte ich die Barbiturate, blieben die Anfälle zwar aus, aber Lis war nicht mehr aktiv, stand kaum noch auf und nahm an nichts mehr teil. Kein Zustand, der uns zufrieden machte. Bei gleich bleibender Dosis hatte Lis allerdings am Tag mehrere kleine Anfälle und gefühlt bahnte sich schon der nächste große Anfall an. Es musste einfach eine Lösung her, die tragbar war.

Durch Zufall las ich bei einer Hundehalterin, der ich bei Facebook folge, dass sie einen alten Hund mit CBD palliativ begleitet. Sofort recherchierte ich weiter und es folgte eine Überraschung auf die andere…

 

CBD – anerkannt, verkannt, unbekannt?

CBD, Cannabidiol, wird aus dem Faserhanf gewonnen und hat keine psychoaktive Wirkung. Cannabidiol gibt es im Bereich der Humanmedizin als verschreibungspflichtiges Medikament, aber auch als freiverkäufliches Nahrungsergänzungsmittel. Als freiverkäufliches Mittel wird es von den Herstellern ohne Gesundheitsbezug angeboten, Aussagen über die Wirkung dürfen also nicht getroffen werden.

Rechtlich betrachtet gibt es also das anerkannte Medikament gegen Rezept sowie das Nahrungsergänzungsmittel im Drogeriemarkt, hier bleiben die medizinischen Vor- und Nachteile unbekannt bzw. ungenannt.

Im Bereich der Homöopathie und auch der Selbstmedikation wird das CBD aus der Drogerie oder dem Internet eingesetzt. Es gibt es als 5%ige und 10%ige Tropfen, zur Anwendung beim Hund wird meist die 5%-Variante empfohlen.

Auch dem Nahrungsergänzungsmittel sagt man nach, dass es entkrampfend, entzündungshemmend und angstlösend wirke.

Die Uniklinik Freiburg erforscht die Wirkung von Cannabidoiden bei Epilepsie in der Humanmedizin und geht davon aus, dass Cannabidoide das Auftreten von epileptischen Anfällen mindern. (Quelle: https://www.uniklinik-freiburg.de/epilepsie/ueber-epilepsie/cannabis-und-epilepsien.html)

 

Cannabis-Rezeptoren beim Hund

Die Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover hat das Vorkommen von Cannabis-Rezeptoren beim Hund untersucht: „Wir fanden die Rezeptoren beispielsweise in Regionen des Nervensystems, die für Wahrnehmung, Gedächtnis, Schmerzempfindung und Bewegungsfunktionen zuständig sind“ – lautet ein Fazit der Veröffentlichung. (Quelle: https://idw-online.de/de/news679174)

Und für mich die wichtigste Aussage: „Unsere Untersuchungen bilden die Basis für weitere Studien“, „Sie könnten die Grundlage neuer Therapieansätze für Hunde mit Krampfanfällen oder chronischen Schmerzen sein.“

Bei epileptischen Anfällen kommt es im Nervensystem zu einer gestörten, da übersteigerten Reizweiterleitung, dies führt vereinfacht gesagt zum epileptischen Anfall. Es liegt die Vermutung nahe, dass Cannabis-Rezeptoren auch an den dafür zuständigen Zellen und Synapsen vorkommen und deshalb eine Behandlung positive Auswirkungen haben könnte.

Ich fasse zusammen: Hunde haben Cannabis-Rezeptoren und diese sind die Voraussetzung für einen Behandlungsansatz auf Basis von CBD. Für mich eine ausreichenden Grundlage, um CBD an Lis zu testen.
Ihr Zustand ist nicht der Beste, die veterinärmedizinische Behandlung stößt an ihre Grenzen und wir haben schon alles ausprobiert, was Tierarzt und alternative Tiermedizin uns empfohlen haben. Was haben wir also zu verlieren?

 

Lis und CBD-Öl

Die Beschaffung von CBD-Öl war doch etwas verzwickter, als ich dachte. In drei Drogeriemärkten in meiner Umgebung war es ausverkauft! Das Produkt erfreue sich, so einer Verkäuferin, einer regen Nachfrage. Also bin ich auf den Online-Kauf ausgewichen.

Ich habe zwei Produkte bestellt, eines mit 5% und eines mit 10% Cannabinoid. Beide aus biologischen Anbau, natürlich und in Europa hergestellt. Eines mit Minzöl, eines pur. Für die Variante mit Minzöl habe ich mich entschieden, weil CBD-Öl meist bitter schmeckt und die Akzeptanz darunter leiden kann. Und es soll ja nun nicht am Geschmack scheitern.

Sowohl mein Tierarzt als auch unsere alternative Tiermedizinerin waren von meiner Idee angetan, beide haben allerdings noch keine persönliche Erfahrung in der Anwendung. Beide rieten mir, es zu versuchen und unbedingt zu berichten, welche Auswirkungen ich feststellen kann.

Ich lasse Lis gerne entscheiden, ob sie ein Mittel nehmen möchte. So gebe ich ihr sporadisch ein Schmerzmittel, wenn die Arthrose ihr schwer zu schaffen macht. Ich halte ihr die Tablette hin und es gibt Tage, an denen sie die Tablette nimmt und Tage, an denen sie sie verweigert. So halte ich es bei allen Mitteln und so sollte es auch beim CBD-Öl sein.

Natürlich habe ich zuerst selber einen Tropfen probiert, der Geschmack war eher grauselig. Modrig, bitter, nicht angenehm (Eine Wirkung habe ich bei diesem einmaligen einen Tropfen bei mir auch nicht feststellen können.).

Danach habe ich Lis einen Tropfen auf einem Löffel angeboten. Sie schnupperte kurz und hat es dann abgeleckt. So läuft es nun jeden Abend: Ich reiche ihr den Löffel, sie nimmt das Öl. Erstaunlicher Weise sogar in der Variante ohne Minzöl.

Charlie habe ich es auch angeboten, der hat angewidert die Nase verzogen und verzichtet.

 

Was kann ich nach den knapp zwei Wochen zur Wirkung sagen?

Seitdem ich Lis täglich einen Tropfen CBD-Öl gebe, hatte sie keinen großen Anfall mehr. Die kleinen Anfälle, das Zähneklappern und die Zuckungen sind auch schon weniger geworden. Jedoch ging es ihr am Wochenende einen Abend schlecht, sie war unruhig, hatte eine sehr flache Atmung und Probleme mit dem Kreislauf. Ob es sich dabei um eine einmalige Erscheinung mit anderer Ursache handelt, kann ich noch nicht sagen. Dafür sind die wenigen Tage unseres Tests nicht aussagekräftig genug.

Was sich verbessert hat: Mit Einsatz des CBD-Öls habe ich die Barbiturate etwas reduziert, da sie sehr schläfrig war und zeitweise zu kraft- und antriebslos, um aufzustehen. Die Reduzierung der Barbiturate hat hier zu einer Verbesserung geführt, führt aber umgekehrt auch zu einer Verschlechterung der Epilepsie. Diese ist unter CBD nicht eingetreten! Im Gegenteil hat sie anstatt fünf oder mehr kleine Anfälle am Tag derzeit nur einen bis drei am Tag.

Wie geht es weiter?

Ich werde am Ende der Woche die Dosierung des CBD-Öls von einem auf zwei Tropfen steigern und schauen, wie es Lis damit geht. Mein Ziel ist es, sie frei von Anfällen zu halten und eine konstante Konstitution zu erreichen. Sie soll voll am Leben teilnehmen und schmerzfrei sein.

Diese Steigerung der Dosierung werde ich natürlich genau beobachten und innerhalb der nächsten vier Wochen ein Fazit ziehen, das ich gerne mit Euch teile.

Dieser Beitrag entstand in Kooperation mit der AGILA Haustierversicherung, ich danke für die angenehme Zusammenarbeit.

 

 

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