80 Tage ohne Lis

80 Tage ohne Lis

Im Oktober 2016 schrieb ich einen kurzen Beitrag zu einem Tag ohne Lis. Diesen Beitrag habe ich heute bei Arbeiten am Blog wiedergefunden. Es scheint heute ein merkwürdiger Tag zu sein, erst zeigte mir Facebook heute Morgen eine Erinnerung an ein Foto von Lis vor sieben Jahren, dann kommt mir dieser Beitrag in die Finger.

Heute sind es 80 Tage ohne Lis. Und es tut immer noch weh.

Wie ist es ohne Sie?

Es ist gut und schlecht zugleich. Charlie und ich, wir haben uns verändert. Unsere Beziehung zueinander hat sich verändert. Sie ist tiefer geworden, aber auch gleichberechtigter. War Charlie zu Lis‘ Zeiten immer der „Kleine“, so ist er nun deutlich erwachsener und selbstständiger geworden.

Aber: Er passt nicht aktiv auf mich auf. Er ist nicht der Hund, der bei ungewöhnlichen Geräusche knurrt oder auf Menschen auf der Straße reagiert. Lis war immer in Alarmbereitschaft, immer aufmerksam und zur Gegenwehr bereit. Das war wie eine persönliche Schutztruppe für mich.

Jetzt habe ich das Gefühl, dass es umgekehrt ist: Ich muss auf Charlie aufpassen. Das steht in klarem Zusammenhang zu seiner Blindheit, keine Frage. Er verlässt sich auf mich, braucht mich als Frühwarnsystem für Gefahren. Und das ist eigentlich auch gut so. Wenn er ein ungewöhnliches Geräusch hört, fragt er bei mir nach, ob Anlass zur Sorge besteht. Ich kläre das für ihn, ich bin für ihn da. Und ich bin ihm dankbar für das Vertrauen, das er in mich setzt.

Der Trickhund fehlt
 

Auch wenn Lis alt war, sie war trotzdem noch fit im Kopf und clever. Wenn sie ein Leckerchen wollte, fand sie Mittel und Wege. Männchen, Bellen, Drehen, Winken, Rolle – sie hatte ein großes Repertoire, das sie bei Bedarf abrief. Und damit erheiterte sie mich immer wieder.

Stand ich in der Küche und bereitete Essen vor, gab es Tage, an denen Lis entschied, so möchte etwas abhaben. Also kam sie in die Küche und stellte sich mir in den Weg. Nahm ich dann zwangsweise Notiz von ihrer Anwesenheit, drehte sie auf. Schaute mich putzig an, führte ein paar Tricks vor und war stolz wie Bolle, wenn es dafür eine Möhre oder andere Leckereien gab. 

Charlie interessiert sich zwar für Essen, sieht aber keine Veranlassung, unaufgefordert in die Küche zu kommen und mich für Essen zu unterhalten. Er macht nur Tricks, wenn ich ihn klickere. Und das ist dann immer geplant und von mir initiiert, das Süße an Lis war ja, dass sie es spontan und von sich aus gemacht hat.

Das Kuscheln fehlt

Charlie ist ein Junge. Matsche, Toben, Power. Da ist nicht viel Platz für Kuscheln. Er findet es manchmal gemütlich, es steht aber bei ihm nicht oben auf der Wunschliste. Für Lis gab es seit jeher nichts schöneres, als Kontaktliegen und Kuscheln. Egal ob auf dem Sofa oder auf dem Bürostuhl. Hauptsache nah dabei.

Dieser innige, unspektakuläre und selbstverständliche Körperkontakt fehlt mir. Die Haare am Pulli, zu spüren, wie sie atmet, der Druck, den sie mit den kleinen Pfötchen auf mich ausübt.

Ich kann noch nicht loslassen

Ihre Asche steht weiterhin auf der Kommode. Vergessen die Pläne, sie umgehend am Rhein und am Meer zu verstreuen. Erst hatte ich keine Kraft, nun ist am Meer der Freilauf für Hunde verboten. Und ich fahre ja nicht mit Charlie nach Holland, ohne dass er am Meer toben kann. (Im Finden von Ausreden bin ich ungeschlagen.)

Ich vermisse sie jeden Tag. Manchmal kann ich damit umgehen, manchmal nicht. Heute ist ein „nicht“-Tag.

Wir freuen uns über sicheres Teilen mit shariff:

 

error: Sorry, kopieren ist nicht erlaubt. ;-)