Vom Mäkler zum Allesfresser

Vom Mäkler zum Allesfresser

Charlie war eher immer mäkelig, was Futter angeht. Ihm unbekanntes Futter wurde immer ausgiebig beschnuppert, geprüft und belutscht, bevor er es gefressen hat. Ich habe dieses Verhalten in einem alten Beitrag als „speisen“ bezeichnet.

Die Liste der Dinge, die er nicht mochte, war lang. Er nahm keine Äpfel, Wassermelone, Bananen, Kartoffeln, Gurken, Brokkoli, Blumenkohl, Erdbeeren, kurz: Alles, was Obst und Gemüse ähnelte, wurde meist verschmäht. Bei Kauartikeln war er ebenso wählerisch, Kaninchenohren gingen immer, der Rest war ihm suspekt. Auch war seine Motivation zu fressen immer eher moderat. Er fraß gerne, forderte es aber nicht ein und überließ Lis häufig auch mal seine Reste.

Fressverhalten in Anwesenheit von Futterneidern

Charlie zog als Zweithund bei mir ein, er kannte es Zeit seines Lebens bei mir nicht anders, als an Lis Seite zu sein. Die beiden waren harmonisch miteinander, ergänzten sich und bildeten ein gutes Team. Nur beim Fressen lagen Welten zwischen Ihnen: Lis, der Allesfresser und Charlie, der verwöhnte Prinz. Was er nicht mochte, ließ er für Lis fallen. Sie saugte es dankbar auf.

Gab es einen Kausnack, ließ Charlie grundsätzlich Reste für Lis liegen, als ihre Zähne nicht mehr so gut waren, kaute er Kaustangen für sie vor und sie dufte dann die weichgelutschten Reste haben.

Doch eines war klar: Wenn er etwas nicht mochte, aß er es auf keinen Fall, auch nicht aus Futterneid. Er verzichtete lieber, als etwas zu fressen, was ihm nicht geheuer war.

Futterumstellung als Einzelhund

Lis konnte in den letzten Jahren nicht mehr gut kauen und bekam ein hochwertiges Nassfutter. Früher war ich überzeugter Barfer, doch mit Lis‘ Zahnproblemen und Charlies Einzug wurde ich nachlässiger und irgendwann stellte ich das Barfen ein. Mit dem Umzug in die Wohnung und dem damit verbundenen Wegfall eines Tiefkühlschranks stellte ich Charlie dauerhaft auf ein gutes Trockenfutter um. Das fraß er gerne und zuverlässig.

Als Lis vor 3 Monaten starb, stellte ich mir auch die „Futterfrage“. (Mindestens einmal im Jahr prüfe ich das Futter auf Tauglichkeit, Qualität und hinterfrage, ob es noch das richtige Futter ist.) Und kam zu dem Entschluss, dass ich Charlie doch wieder barfen wollte. Die Mengen für ihn alleine bekomme ich gut im Tiefkühlfach untergebracht und die eigene Zusammenstellung seines Futter liegt mir deutlich mehr, als der bequeme Griff zum Fertigfutter.

Mir ist klar, dass die Futterfrage eine sehr kritische Frage ist, jeder Hundehalter, Tierarzt, Experte vertritt hier eine andere Meinung. Ich möchte auch überhaupt nicht eine Grundsatzdiskussion führen, sondern nur von unserer Entwicklung berichten.

Ich hatte gute Gründe für die eine Art der Fütterung und nun habe ich ebenso gute Gründe für die andere Art. Spannend daran ist eigentlich nur die Auswirkung auf Charlie…

 

Was kommt in den Napf?

Ich hole für Charlie frisches Fleisch vom Schlachthof. Dort gibt es eine Firma, die ausschließlich Tiernahrung verkauft und diese nach den Wünschen des Kunden zusammenstellt und wolft. Einmal im Monat stelle ich also eine Mischung dort zusammen und lasse sie klein wolfen. Ein bunter Mix aus Blättermagen, Pansen, Muskelfleisch, Innereien und Knorpel. Diesen Mix portioniere ich zu Hause, gebe Kräuter und Eierschale hinzu und friere es ein.

Diese Portionen taue ich dann tageweise auf und mische sie mit Obst, Gemüse, Ölen, Milchprodukten, Eiern, Reis, Nudel – mit allem, was ich im Haushalt habe. Häufig mische ich auch Reste von meinem Essen hinzu, einfach das, was gerade da ist.

Charlies Reaktion

Das frische Fleisch ist für Charlie das Schönste. Rohes Fleisch habe ich schon immer zugefüttert, mal ein Rinderherz, mal eine andere Köstlichkeit. Dass dieses Erlebnis nun jeden Tag stattfindet, lässt Charlie zum „Inhalator“ werden. Hätte ich vorher gewusst, wie sehr er die Rohfütterung mag, ich wäre wahrscheinlich nicht so bequem gewesen. Gemüse und Obst habe ich in der ersten Zeit ganz klein geschnitten oder püriert, so dass es sich gut mit dem Fleisch vermischte und von Charlie nicht aussortiert werden konnte. Wollte er Fleisch, musste er zwangsweise auch Obst und Gemüse futtern. Nach und nach stieg seine Akzeptanz und heute kann ich ihm sogar grob gewürfeltes Gemüse dazu mischen!

 

Neue Seiten

Neu ist auch, dass Charlie nicht mehr so mäkelig ist. Halte ich ihm heute während des Kochens ein Stück rohes Gemüse vor die Nase, so nimmt er es an und frisst es. Auch Äpfel und vorher verschmähtes Obst nimmt er ohne zu zögern an – ganz ohne Fleischbeilage!

Ich bin total begeistert, wie sehr sich seine Gewohnheiten verändert haben. Und ich hätte das so niemals vermutet. Fand er früher Eiweiß, egal ob roh oder gekocht, eher „bäh“ und verweigerte es, so nimmt er es heute freudig an. Es ist, als hätte er eine ganz neue Freude am Fressen entdeckt.

 

Das Thema Snacks

Ermutigt durch unsere Erfolge mit dem Barf habe ich angefangen, neue Snacks zu kaufen. Rinderohren, Kaurippchen, Hühnerhälse, Schlund, Kopfhaut, ich habe alles probiert. Und Charlie hat alles angenommen. Kein Zögern mehr, er nimmt und frisst.

Und noch mehr: Bei Snacks, für die er lange Zeit braucht, hat er sich angewöhnt, Pausen zu machen. Er lässt den Snack auf der Decke liegen, legt sich woanders hin und frisst zu einem späteren Zeitpunkt weiter. (Diesen Luxus konnte er sich bei Lis nicht erlauben, der Snack wäre schnell verschwunden gewesen.)

So haben sich bei uns auch neue Routinen entwickelt: Charlie fordert nach langen Wanderungen regelrecht einen Snack ein. Das hat er sich wohl bei mir abgeschaut, denn wenn wir lange unterwegs waren, habe ich meist Hunger. Ich komme dann nach Hause und gönne mir einen kleinen Snack. Charlie hat das früher nie interessiert, er hat sich auf seinen Platz gelegt und geschlafen. Heute begleitet er mich allerdings zur Küche und wartet. Auf seinen Snack. Falls ich das Warten als solches nicht verstehe, zeigt er mir sogar deutlich, was er möchte, indem er zu den Snack-Vorräten geht und mich auf die Existenz dieser Vorräte hinweist. Und natürlich bekommt er auch etwas! Wie könnte ich ihm diesen Wunsch abschlagen?

Trotzdem schlägt es sich nicht auf den Hüften nieder

Nach nun fast zweieinhalb Monaten mit der neuen Fütterung und einer Vielzahl an Snacks kann ich sagen: Charlie ist ein guter Verbrenner! Er hat anfangs etwas an Gewicht zugelegt und ist nun bei 16,5 kg, was ich sehr gut finde, weil er mir immer etwas zu dünn vorkam. Doch seitdem hält er sein Gewicht ohne Veränderung nach unten oder oben.

Wir scheinen das richtige Maß in Menge und Qualität gefunden zu haben, Charlie und ich sind jedenfalls sehr zufrieden. In ungefähr drei Monaten werde ich ein großes Blutbild machen lassen um zu sehen, ob trotz der Futterumstellung noch alle Werte stimmen, nur zur Sicherheit. So kann ich prüfen, ob die von mir ausgewählte Zusammenstellung auch zu Charlies körperlichen Bedürfnissen passt. Denn zu seinem Geschmack passt sie auf jeden Fall!

 

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