Eine Woche getrennt

Eine Woche getrennt

Wir haben es getan: Charlie und ich haben uns für eine Woche voneinander getrennt. Das erste Mal seit Lis‘ Tod.

Ich war aufgeregt, nervös und unsicher, wie die Zeit für uns sein würde.

Ein Urlaub ohne Hund

Seit langen träumte ich von Marrakesch. Dem Marrakesch, wie man es aus Büchern und Filmen kennt. Und durch Zufall ergab es sich, dass ich eine tolle Reisebegleitung fand.

Aber: Marrakesch bedeutet eine Flugreise. Ohne Charlie. Bisher waren Charlie und Lis immer bei einer lieben Freundin und deren Familie samt Hunden. Gemeinsam. Doch Lis ist nicht mehr bei uns und bei der Freundin hat sich einiges verändert, so dass ich ihr Charlie nicht auch noch zumuten wollte.

Wagemutig bot sich meine Mutter an. Sie würde auf Charlie aufpassen. (Gemeinsam mit meinem Vater, der wurde aber nicht gefragt.)

Dem Urlaub ohne Hund stand also faktisch nichts mehr im Wege.

Ich ließ Charlie testweise vorab immer mal wieder ein paar Stunden bei meiner Mutter, damit er sich daran gewöhnte, die Gelegenheit, eine ganze Nacht zu testen nahm ich vorsichtshalber nicht in Anspruch. Zu groß war meine Sorge, dass Charlie unruhig und nervös sein und meine Mutter einen Rückzug machen würde.

 

Ein schlechter Einstieg

Vor dem Urlaub stand noch eine Tagung in Garmisch an. Charlie reiste mit und am letzten Abend der Tagung ging es für mich auf eine Abendveranstaltung. Ich wollte ihn nicht alleine in der Ferienwohnung lassen und so erbarmte meine Mutter sich. Sie und mein Vater waren auf dem Rückweg aus Italien zu uns gestoßen und so passte meine Mutter an diesem Abend auf Charlie auf. Charlie fand die Wohnung doof, er fand doof, dass ich ihn alleine ließ und zeigte sich von seiner nicht ganz so guten Seite.

Er zitterte und sabberte stundenlang, fand keine Ruhe und ging meiner Mutter gehörig auf die Nerven.

Wäre ich nicht 24 Stunden später in den Flieger gestiegen, bin ich sicher, meine Mutter hätte sich Ihre Zusage nochmal anders überlegt.

Zeit mit einem Hund zu verbringen, der kaum ansprechbar ist und außer Sabbern und Zittern nichts zustande bringt, ist keine Freude. Ich hätte es ihr nicht verübelt.

 

Reise mit Grummeln im Bauch

Ich reiste also mit leichten Bauchschmerzen und Bedenken ab. Würde Charlie sich entspannen? Würde er nachts schlafen und Ruhe finden?

Notfall-Kontakte waren in Alarmbereitschaft versetzt (Ich danke Euch dafür!) um zur Not Charlie mit einem Besuch oder Spaziergang ablenken zu können.

Bei der Abgabe des kleinen Herrn machte ich möglichst wenige „Theater“, verabschiedete mich wie immer und ging. Mit einem Tränchen im Auge.

Bereits am Flughafen erreichte mich die erste Nachricht meiner Mutter, die ich mit zitternden Händen öffnete.

Doch Entwarnung: Das geschickte Foto zeigte einen entspannten Charlie auf seinem Kissen.

Überraschend gut

Und bei diesen entspannten Nachrichten blieb es.

Charlie kam sehr gut ohne mich zurecht und zeigte sich von seiner besten Seite. Nachdem er die erste Nacht etwas unruhig war, hatte er sich eingewöhnt und passte sich dem Ablauf bei meinen Eltern gut an.

Er fraß, spielte und ging spazieren, keinerlei Einschränkungen.

Nur einmal machte er einen Spaziergang zu viel:

Meine Eltern waren einkaufen und mein Bruder sollte auf Charlie aufpassen. Charlie fand das allerdings nicht so prickelnd und öffnete kurzerhand die Haustüre. Er fand sich letzten Endes im Garten wieder und schäkerte dort mit dem Gärtner und den Nachbarn.

Erholung für mich

Und auch ich erholte mich gut. Mal ein paar Tage ohne Verantwortung für Charlie, die taten mir gut. Mal nicht auf ihn achten zu müssen, sondern einfach nur machen können, was mit gut tut und was mir gefällt. Museen, Bars, Touren durch die Stadt. Ohne Rücksicht auf einen blinden Hund.

Dieses Gefühl war irgendwie sehr befreiend.

Natürlich habe ich Charlie auch wahnsinnig vermisst, alles andere wäre gelogen. Aber es hat eben auch mal gut getan, ohne ihn zu sein.

Die nächste Reise wieder gemeinsam

Natürlich werde ich den nächsten Urlaub wieder mit Charlie gemeinsam planen, aber es ist schön zu wissen, dass ich auch weiterhin von Flugreisen in ferne Länder träumen darf.

 

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