Rettung vor der Konzeptlosigkeit (Werbung)

Rettung vor der Konzeptlosigkeit (Werbung)

Am Wochenende war Stephie mit Enki und Kane bei uns zu Besuch und während der intensiven Gespräche mit Stephie ist mir etwas klargeworden: Charlie hat mich auf vielen Ebenen gerettet. Vor allem aber auf der Ebene, die mein Verhältnis zu Hunden angeht.


Meine Mär vom Erziehungskonzept

Wie viele andere Hundehalter habe ich Fachbücher rund um den Hund gelesen. So viele, dass ich sie kaum noch zählen kann. Verhaltensbiologen, Tiertrainer, Forscher und „Berichte aus dem erlebten Leben“. Bekannte und unbekannte Autoren. Fernsehsendungen, Trainingsvideos, Hundeschule, Workshop, Rudelwanderung. Nichts, was ich nicht als Quelle für Informationen genutzt hätte.

Zudem habe ich eine Großcousine, die an der ATN Tierpsychologie studiert hat und mein Exmann hatte eine Hundeschule. Quellen des Wissens.

Ich hatte für jedes Problem einen Trainingsansatz.
Lis war ausgebildeter Besuchshund, konnte Agility, Dummysuche, Mantrailing, Tricks, Grundgehorsam und Elemente der Begleithundeprüfung. Sie spielte Brettspiele und kannte den Klicker.

Voll mit Wissen lebte ich also an der Seite meiner Hunde und fühlte mich gut gewappnet.
Ich dachte wirklich, ich hätte ein Konzept in der Hundeerziehung und könnte an Problemen gut arbeiten.

Wie wahrscheinlich viele von uns …

Und dann kam Charlie

Mit welcher Mühe suchte ich den Zweithund zu Lis aus! Schrieb Kriterien auf, die ich erfüllen wollte und Eigenschaften – wie Jagdtrieb – die ich keinesfalls wollte.
Fragte Freunde, Familie und Kollegen. Suchte Betreuungsmöglichkeiten, die auch zwei Hunde nehmen würden. Plante, suchte, organisierte.

Und endlich fand ich Charlie. Border Collie Mix, nicht jagend. Freundlich zu Hunden und Katzen, auf einer Pflegestelle mit Kindern. Perfekte Beschreibung.
Lis und ich besuchten ihn, es passte. Wir waren verliebt.

Doch schon bei der Abholung ging alles schief, was schief gehen konnte. Er hasste Autofahren, erbrach sich in den Kofferraum. War ein zitterndes Nervenbündel.

Zuhause wurde es nicht besser. Fast 20 Stunden lang traute er sich nicht, Urin abzusetzen, Kot setze er erst an Tag drei ab.

Er war unsicher, fühlte sich nicht wohl und das besserte sich auch nur schleppend.

 

Ich war doch gewappnet!

Dieses Mal wollte ich alles richtig machen. Ich hatte die Eingewöhnung bei uns minutiös geplant. Ein Trainingstagebuch vorbereitet. Schleppleine, Geschirr, doppelte Sicherung und alle Tricks im Gepäck.
Arbeitete mit Futter. Konditionierte den Klicker. Streichelte nur von unten, niemals von oben. Überbeugte nicht. Arbeitet mit positiver Verstärkung. Setzte mehr Körpersprache als Worte ein.
Zählte Schritte, damit ich ihn auslastete, aber nicht zu hoch pushte.
Etablierte ein Ruhekommando und die Decke.
Gewöhnte ihn ans Büro.

Saß stundenlang lesend mit ihm im Kofferraum des geparkten Autos, damit er sich daran gewöhnte. Übte kurze Fahrten. Ersetze zwei Boxen, die er zerstörte, weil er darin Panik bekam.
Ließ ihn immer mal minutenlang alleine, mit und ohne Lis.
Besuchte Kinder, Streichelzoos, den Hochwildpark und machte Stadttraining mit ihm.

Oh, ich hatte einen Plan für alles!
Ich fühlte mich wie der perfekt vorbereitete, belesene Hundehalter mit Konzept.

Schlag ins Gesicht

Und dann schlug mir das Leben mit aller Kraft ins Gesicht: Charlie hatte PRA (Progressive Retinaatrophie) und würde erblinden. Festgestellt in einem Status, zu dem er schon nachtblind war.

Und keine der wunderbaren, mir bekannten Trainingsmethoden passte zu einem blinden Hund.

Was ich online las, machte mich wahnsinnig! Nie mehr sollte er ohne Leine laufen können. Ecken an Schränken sollte ich polstern, seine Decke mit Duftöl markieren und ihn am besten nur noch kurz um den Block führen.

Mir brach das Herz.
All meine Pläne, all meine Ambitionen. Zunichte.

Was wird nun aus dem Konzept?

Ich will ehrlich sein: Das, was ich für ein Erziehungskonzept hielt, war keines.
Tausend Ideen, Ansätze, Theorien. Ich verstand die hormonelle Struktur des Belohnungssystems besser als den Wetterbericht und hatte trotzdem keine Ahnung.
Wenn Klickern nicht klappt, dann halt Futterbeutel. Wenn das Leckerchen nicht genommen wird, gibt es Fressen nur noch aus der Hand und nicht mehr aus dem Napf.
Von einer Methode zur nächsten. Man kennt ja so viele.

Ich musste feststellen, dass ich keinen Plan hatte.
Aber einen erblindenden Hund, der nie wieder auf Sichtzeichen, körperliche Zeichen oder Körpersprache reagieren würde.

Der höchst sensibel und verunsichert war, je schlechter das Augenlicht wurde. Und es wurde schnell schlechter.

Mit all meinen Methoden und Theorien war ich doch im Grund nur konzeptlos und fand auch darin keine wirkliche Hilfe.

Wie Charlie mich rettete

Charlie ist ein Hund, dessen Zustand gut zu lesen ist. Wenn man ihn kennt, sieht man in Sekunden, in welcher Verfassung er ist.

Unsicherheit, Zufriedenheit, Stress, Schmerzen, Freude, all das kann man aus den meisten Hunden lesen. Mir wurde klar: Niemand kennt meinen Hund besser als ich. Niemand kann besser wissen, was gut für ihn ist.

Ich fing an, Charlie nicht nur zu lesen und zu bewerten, sondern endlich auch mal wieder auf mein Gefühl dabei zu achten.
Was spüre ich ihn ihm?
Mit welchem Gefühl kann ich ihm angemessen entgegnen?

Hunde haben wahrscheinlich ähnliche Bedürfnisse wie wir: Sicherheit. Nahrung. Zuwendung. Verlässlichkeit.

All das kann ich Charlie geben, ohne mir dazu Rat aus Fachbüchern zu holen.

 

Ich begann endlich wieder, aus dem Bauch heraus zu „trainieren“.
Lernte so, wie ich (m)einen blinden Hund am besten führe.
Was er von mir braucht, um zufrieden zu sein.
Welche Kooperation er benötigt, um sich orientieren zu können.

So lernten wir gemeinsam Stopp-, Vorsicht- und Richtungssignale, ganz ohne Klicker, Leckerchen oder sonstige Methode. Einfach nur Charlie und Sandra.

Charlie brachte mich dazu, alles Erlernte nicht mehr so wichtig zu nehmen, nicht daran zu glauben, dass es für jedes „Problem“ den passenden Weg aus dem Lehrbuch gibt und auch mal endlich ohne Konzept zu agieren.

Er zeigte mir, dass es manchmal gut sein kann, sich auf das Wesentliche zu reduzieren:

Die Beziehung zwischen ihm und mir.

 

Dieser Beitrag entstand in Kooperation mit der AGILA.

Wir danken ganz herzlich für die tolle Zusammenarbeit!

 

 

Wir freuen uns über sicheres Teilen mit shariff:

 

error: Sorry, kopieren ist nicht erlaubt. ;-)