3 aus 4

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Wir hatten einen Lauf. Einen negativen. An drei von 4 Abenden gab es einen Knall, im wahrsten Sinne des Wortes. Und somit einen verunsicherten und aufgebrachten Charlie. 

Charlie kann seit der Erblindung nicht mehr gut mit sehr lauten Geräuschen umgehen, sobald diese in Richtung eines Knalls gehen. Donnerschläge, krachende Blitze, Feuerwerk – das alles ist ein Graus für ihn geworden. 

Er zittert dann, hechelt und sabbert und lässt sich nur sehr schwer beruhigen. 

Vergangene Woche hat es uns dann richtig erwischt und Charlie drei Abende verdorben. Donnerstags war ich auf der letzten Runde mit ihm, spät am Abend. Wir gingen durch den Park, als es in einiger Entfernung einen lauten Knall gab, wie von einem Kanonenschlag. Charlie zuckte sofort zusammen und ging in Fluchtbereitschaft, zum Glück war ich schnell genug, ihn zu mir zu rufen und konnte ihn ohne Probleme anleinen. 

Er war total verunsichert und ging fast mit Körperkontakt mit mir weiter, den Kopf immer wieder drehend, ob eine weitere Gefahr droht. Dieser Spaziergang war für uns ein totaler Reinfall und auch im sicheren Zuhause war Charlie noch nicht ganz davon überzeugt, dass keine weitere Gefahr droht. Selbst auf einer weiteren Runde in Begleitung des Mannes war er nicht davon zu überzeugen, dass er ungestört schnüffeln und pinkeln kann und uns nicht der Himmel auf den Kopf fallen wird. 

Freitagabend hatten wir Ruhe, aber im Park war Charlie trotzdem aufgeregt und nicht entspannt. 

Paukenschlag am Samstag

Samstag waren wir abends wieder auf unserer üblichen Parkrunde, Charlie war nervös und leider immer noch nicht entspannt. Da wir die Runde ohne Zwischenfälle hinter uns brachten, wähnte ich uns schon auf einem guten Weg zurück zur Entspannung. Charlie benötigt immer ein, zwei Tage mit positiven Erlebnissen, dann kann er auch am “Ort des Geschehens” wieder ganz normal sein. 

Doch ich täuschte mich: Kaum lagen wir im Bett und hatten in den Schlaf gefunden, ging es draußen los: Ein Böller nach dem anderen. Diese Kanonenschläge, unfassbar laut und nicht weit von unserer Straße entfernt. Als würde jemand diese in einem Container zünden. Charlie war sofort auf Hundert und völlig fertig. Ich stand auf, schloss das Fenster und der Mann versuchte derweil, Charlie zu beruhigen. Leider ohne direkten Erfolg. Erst quälend lange zehn Minuten nach dem letzten Knall war Charlie wieder etwas ruhiger und wir gingen erneut ins Bett. 

Geplante Flucht am Sonntag

Am Sonntag entschieden wir, dass wir mit Charlie nicht abends in den Park gehen würden. Wir wollten ihm einen entspannten Spaziergang zum Tagesabschluss gönnen und fuhren in den nächsten Stadtteil an den Rhein. Dort sind wir häufig und es ist wunderschön. Große Felder, ein kleiner Wald, recht viele freilaufende Hunde. Unser kleines Paradies. 

Charlie lief ohne Leine, als es passierte: Irgendjemand zündete in Hörweite ein Feuerwerk. 

Und Zack! Der schönes Plan war zunichte und Charlie wieder ein Nervenbündel. Ich leinte ihn an und wir gingen noch gute 20 Minuten ohne weitere Zwischenfälle, in denen Charlie dann zumindest ein wenig entspannter wurde. 

Und nun? 

Nun benötigen wir einen positiven Lauf. Mindestens zwei, drei Abende ohne Zwischenfälle. Damit Charlie wieder das Vertrauen in unsere Abendrunden findet und auch auf diesen entspannt ist. Er ist nämlich definitiv in der Lage, Zeit und Ort negativ zu verknüpfen, was sich in einer spürbaren Anspannung spiegelt, wenn wir zu einer ähnlichen Uhrzeit an einem solchen Ort sind. Zu einer anderen Uhrzeit hingegen zeigt er das Verhalten nicht und ist seitdem auch schon mehrfach wieder über die Wiese am Rhein und durch den Park getobt. 

 

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