Gestörte Nächte

Gestörte Nächte

Man mag es kaum glauben, das sogenannte „Böller-Verbot“ zum Jahreswechsel war für uns eine Katastrophe mit langfristigen Auswirkungen. Die Stadt Köln hatte nämliche leider „vergessen“, unser Rheinufer als Verbotszone auszugeben. Was zur Folge hatte, dass ab dem 26.12. bis Neujahr bei uns jede Nacht geböllert wurde und Silvester sogar über drei Stunden lang. Ich weiß das so genau, weil uns durch das Reiseverbot die Flucht in ruhigere Gefilde unmöglich war und wir das gemeinsam aushalten mussten. Bis heute.

Am 26.12. ging es los mit einem ca. eine Viertelstunde andauernden Feuerwerk direkt bei uns vor dem Grundstück am Rheinufer. Das traf uns völlig unvorbereitet, wir waren noch in Weihnachtstimmung. Charlie war sehr nervös, aber beruhigte sich danach schnell – Glück gehabt.

Er ist tagsüber entspannt, fröhlich und spielt sogar

Feuerwerk kann er seit der Erblindung überhaupt nicht mehr ertragen, kaum vorstellbar, dass er früher mit mir zusammen zum Jahreswechsel draußen war und dabei völlig unbeeindruckt. Aber es ist nun, wie es ist.

Der Urknall, der alle aus dem Bett warf

Zwischen den Feiertagen lagen wir nachts schlafend im Bett, als uns ein Knall wie aus der Hölle aus selbigem warf. Ein besonders toller Zeitgenosse hatte einen Kanonenschlag in einen Container geworfen. Der Knall war unbeschreiblich laut und hat sogar mich erschreckt. Mein Puls war auf 180 und so war ich für Charlie nicht wirklich ein gutes Beispiel. Auch den Mann hatte es aus dem Schlaf gerissen und so waren wir auf einen Schlag alle knallwach und aufgeregt.

Es dauerte eine gefühlte Ewigkeit, bis Charlie das Zittern und Hecheln einstellte und wenigstens in einen leichten Schlaf fand.

Nach diesem Erlebnis entschied ich, Charlie mit CBD-Tropfen zur Beruhigung zu unterstützen und gab ihm diese nun abends regelmäßig.

Leider ging es so bis Neujahr weiter, jede Nacht wurde geböllert und geknallt, teilweise sogar tagsüber im Park. Es war ein elender Spießrutenlauf und ich war schon vor Silvester völlig genervt.

Vom „Feuerwerksverbot“ war bei uns nichts zu spüren, ganz im Gegenteil.

Das Feuerwerk und die Böller waren lauter, heftiger und öfter als in den 3 Jahren zuvor, die ich in der Stadt lebe.

Tagsüber ist Charlie entspannt und schläft ohne Probleme

Der Höhepunkt

Silvester verbrachten wir sehr ruhig und eingeigelt in der Wohnung. Charlie hatte tagsüber (weit entfernt von der Stadt) ausreichend Auslauf bekommen und wir hofften einfach, dass die Nacht für alle erträglich werden würde. Weit gefehlt.

Drei Stunden lang wurde bei uns am Rheinufer geknallt und geböllert, besonders die Kanonenschläge wären häufiger und heftiger als in den Vorjahren.

Charlie war fertig mit den Nerven. Er zitterte am ganzen Körper, sabberte und hechelte und war zeitweilig kaum ansprechbar. Es war fürchterlich.

Es ist mir völlig unverständlich, wie so viele Menschen an Feuerwerk gelangen konnten.

Es ist mir völlig unverständlich, wie eine Stadt die Rheinpromenade eines ganzen Stadtteils bei der Einteilung von Verbotszonen „vergessen“ kann.

Es ist mir völlig unverständlich, warum Menschen Geld im wahrsten Sinne des Wortes anzünden.

Es ist mir völlig unverständlich, dass in Kauf genommen wird, dass Wild- und Haustiere leiden.

Es wird nur langsam besser

Wir haben nun Ende Januar, einen Monat nach dem ersten Feuerwerk. Ich habe seit dem 26.12. nur ein paar Nächte durchgeschlafen, weil jedes Knallgeräusch Charlie sofort aufschreckt. Sei es eine Autotüre, die geschlagen wird, ein Knall aus dem Containerhafen auf der anderen Rheinseite, jedes ungewöhnlich laute Geräusch führt zu einem wachen, aufmerksamen und gestressten Hund.

Es liegt auch nicht an der Uhrzeit, spät abends auf dem Sofa schläft er friedlich

Natürlich schaue ich dabei nicht tatenlos zu, wir füttern derzeit zusätzlich Helmkraut und Hafersamen (sollen beruhigende Wirkung haben), wir haben die Schlafgewohnheiten verändert und ich habe sogar den Schlafplatz im Schlafzimmer gegen ein anderes Kissen getauscht.

Ich habe alles versucht, die negative Verknüpfung unseres sicheren Ortes zu löschen:

Ich putze mir neuerdings zuerst die Zähne und mache mich bettfertig, bevor wir nochmals kurz raus gehen, Pipi machen.

Charlie bekommt keinen „Gute-Nacht-Gruß“ mehr, sondern wir gehen kommentarlos ins Bett und lassen ihn entscheiden, ob er mitgeht oder auf dem Sofa bleibt.

Ich habe die Schlafzimmertüre aufgelassen, damit er den Eindruck hat, jederzeit wieder aus dem Zimmer zu können.

Wir haben ihm einen Liegeplatz auf der anderen Seite des Bettes eingerichtet, falls er sich dort sicherer fühlt.

Nach und nach habe ich versucht, eine komplett neue Situation zu schaffen, viele kleine Schritte mit nur einem Ziel: wieder eine positive Stimmung beim Schlafengehen zu erzeugen.

Und die ersten Erfolge sind sichtbar, er legt sich entspannt auf sein Kissen und schläft sogar zügig ein.

Wenn kein „besonderes“ Geräusch auftaucht, schläft er mittlerweile wieder durch.

Viele kleine Schritte. Ich hoffe wirklich, dass wir das Problem so in den Griff bekommen.

Und er seinen wohlverdienten Schlaf nachts findet und ich weniger Augenringe habe.

 

 

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